Mit der Rückkehr von Schwester L. kehrte zum Glück auch die alte Ordnung zurück, die ich bisher ja nicht kannte.
Kinder werden nicht mehr geschlagen, kriegen ab und an Obst oder Kuchen zum Nachtisch und allerhand Spielsachen aus Italien.
Ich darf jetzt alle Kinder mit einigen Spielsachen auf eine Decke in den Flur packen und sie dürfen zusammen spielen =), was abgesehen davon, dass
alle 3 Minuten mind. Ein Kind rumheult, super ist.Neben Bilderbüchern, Kuscheltieren und Süßigkeiten kamen auch ein paar kleine Fahrräder aus Italien an.
Daher bin ich von nun an nach der Mittagspause damit beschäftigt, den Großen Radfahren beizubringen..mehr oder weniger.
Normalerweise kann man sich in der Zeit während die Kinder ihren Mittagsschlaf halten auch ganz gut ausruhen. Normalerweise.
Am Dienstag wurde ein 3- Wochen altes Baby , deren Eltern verstorben sind, im Heim aufgenommen. Ein kleines, hungriges Mädel, welches sich natürlich nicht an die regulären Schlafzeiten halten kann. Schade.
Bevor sie endgültig im Heim aufgenommen wurde, mussten sie ihre Verwandten noch für die „under 5“ ( Untersuchung & Impfungen) und den HIV- Test ins Krankenhaus bringen.
Hierfür gab es vorher keine Möglichkeit, da sie im Busch geboren wurde.
Hoffentlich fällt ihr Test - so wie der unseres alten Nesthäckchens - negativ aus!
Mehr gibt es in Sachen Arbeitswelt zur Zeit nicht zu berichten.
Samstag morgen sollten wir Chorleute bei einer Hochzeitssegenzeremonie von 4 Paaren singen. Diese sollte um 11.00 Uhr anfangen. Meine Gastmutter hat sich dazu bereit erklärt eins der Paare mit dem Auto zur Kirche zu fahren, da diese kein eigenes besitzen. In Rücksichtnahme auf die sambian time planten wir um 11.00 zum Einsammeln der Leute los zu fahren. Allerdings erhielten wir um 10.20 Uhr die Nachricht, dass die Hochzeitssegnerei schon um 10.30 anfinge. Jej, da mussten wir uns dann ganz schön beeilen. Natürlich völlig um sonst. Als wir in der Kirche eintrafen, war gerade noch eine normale Hochzeit im vollen Gange und die HS startete erst gegen 12.00 Uhr. Anstelle meines Chors sang überraschenderweise dann auch noch der Bemba- Chor. Super.
Langweilig war es trotzdem nicht. Die beste Freundin meiner Gastmutter, eine großmütterliche Frohnatur, hat mit ihrem Getanze zur Musik für beste Stimmung gesorgt.
Und auch die Predigt des Pfarrers hat für Gelächter gesorgt. Er hat darüber geredet, wie das Alltagsleben eines Paares aussieht. Bevor man heiratet, ist der Partner das Schönste auf der Welt. Ist man dann mal verheiratet, muss man tagtäglich in jedem Raum des Eigenheims Gefahr laufen, die hässliche Visage des Anderen ansehen zu müssen.
Die Predigt war auf Bemba, daher habe ich sie so nicht verstanden, aber die Gesichtsausdrücke und das Verhalten es Gemeindepfarrers sind schon amüsant genug.
Nachdem er meine Mutter bei der Kommunion die Hostie hinhielt, fügte er zu den Standardworten „ der Leib Christi“ noch hinzu „ Oh...du hast deiner Tochter sogar beigebracht, wie man ein Kopftuch bindet.“
Hat sie gar nicht, das war ich. Hätte sie aber mal lieber.
Als wir später mit der halben Familie bei der Hochzeitssegenfeier von einem der Paare zusammen saßen, klärte mich meine große Schwester auf, dass nur frische Witwen ihr Kopftuch in dieser Art und Weise binden. Hups.
Naja, halb so schlimm...kulturelles Fehlverhalten wird einem Ausländer zum Glück nie nachgetragen.
Hallo Judith,
AntwortenLöschenleider habe ich keine andere Möglichkeit als diesen Kommentar gefunden, um Ihnen zu schreiben.
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