Ein sambisches Schuljahr geht immer von Januar bis Januar.
Nach 3 Monaten Unterricht gibt es einen Monat Ferien, so läuft das hier.
Dementsprechend gab es dann um den 01.12. herum für alle Schüler bzw. Studenten Weihnachtsferien.
Bei uns im Haus gibt es jetzt ein Mädel ( die Schwester, welche aufs Internat geht) mehr und für die Kinder der Vorschule auf dem St. Martins Gelände gab eine Weihnachtsfeier.
Ja das war ein Spaß.
Über 70 kleiner Kinder , 2 Schwestern und ich.
Da Schwester Livia unter all den mitgebrachten Sachen aus Italien Fastnachtskostüme entdeckt hatte, durften die Großen diese anziehen und an auch der Feier teilnehmen.=)
Das Programm begann mit dem Verteilen von Weihnachtskronen für jedes Kind, gefolgt von Singerei und dann, ja dann wurde die Hüpfburg bei sambischer Musik gestürmt. Ja eine Hüpfburg!
Zu dem gab es noch Unmengen von Süßigkeiten, Softdrinks und Chips.
Den Kinderchen hat es also an nichts gefehlt und der Hof zwischen Heim und Vorschule verwandelte sich in eine Müllhalde.
Die Menschen hier sind es gewöhnt alles auf den Boden zu schmeißen. Es gibt kaum, kaum, kaum öffentliche Mülleimer und von MüllTRENNUNG kann man nur träumen...
Nach der Hüpferei gab es dann das Krippenspiel.
Ich habe ja schon Viele gesehen. Aber so ein lustiges, undurchschaubares und chaotisches habe ich noch nie erlebt.
Die Kinder saßen bzw. standen alle mehr oder weniger in einem Kreis, in dessen Mitte das Krippenspiel aufgeführt wurde.
Keiner schaute und hörte den Akteuren wirklich zu. Kinder liefen umher.
Die Schausteller hatten ihre Texte zwar richtig gut einstudiert und trugen sie in einer bemerkenswerten Lautstärke vor, waren aber nicht so angezogen (weißes Kleid, schwarzer Anzug), als dass man sie 100prozentig von den Zuschauern unterscheiden konnte.
Das war zu mindestens meine Ausrede, als ich 3 mal ein kleines Mädel und einen Jungen ermahnt hatte, sich doch bitte hinzusetzen, und es sich nach dem Hinsetzten herausstellte, dass sie Maria und Josef verkörperten...Verzeihung!
Höhepunkt des Schauspiels war, als die 3 Könige aus dem Morgenland ihre Geschenke an das hoch heilige Paar überreicht haben. Der Erste brachte eine hässliche Schachtel, der Zweite brachte eine ebenso hässliche Schachtel und der Dritte..ich muss jetzt noch lachen..ja der Gute brachte eine Fernbedinung!=)
Ich weiß ja, dass hier in Sambia jede noch so arme Familie einen Fernseher besitzt, aber Maria und Josef..nein, die hatten wirklich andere Sorgen.
Als ich mit dem Lachen aufgehört hatte, endete das Krippenspiel mit der englischen Version von „Stille Nacht“ und es ging wieder los zur Hüpfburg und zum Süßigkeiten verteilen.
Die Schwestern waren gut eingespannt und einer fiel plötzlich das Weihnachtsmannkostüm in die Hände. Da der Weihnachtsmann ja nun mal weiß ist, war mir ja schon fast klar, wer sich die XL- Sachen überwerfen und weitere Süßigkeiten an „ faaaather Christmaaaaas“ schreiende Kinder verteilen durfte.
Und das bei den Temperaturen...
Nachdem die Party vorbei und irgendwann alle Kinder abgeholt wurden, blieb die Hüpfburg unseren Kindern noch erhalten =) Natürlich nicht allzu lange, da es eine 4 jährige geschafft hatte den Luftzustrom abzustellen.
Halb so wild. Wenigstens sind nicht wieder Fensterscheiben kaputt gegangen.
Diese Woche haben die 3jährigen nämlich lieber Steine durch diese als auf Freunde geworfen. Ist ja schon mal ein Fortschritt.
Nachdem ich am folgenden Tag die schönen Kartonpapiere mit Hand/fußabdruck und Namen aller Kinder möglichst hoch an die Wände im Flur gehängt habe, hatte ich schon ein ungutes Gefühl. Keine halbe Stunde später hatte das erste Bild auch schon einen fetten Riss.
Es war der Einzelgänger4jährige.
Schwester L. War sauer, der 4jährige heulte und sollte sich einfach nur bei seiner „traurigen Mama“( mir) entschuldigen.
Es brauchte eine 30minütige, fast gewaltfreie Erziehungseinheit, um dem Knirps ein „sorry“ zu entlocken.Was ein Kampf.
Nach einem Reflektionstreffen mit unseren Koordinatoren am Freitag Nachmittag fuhren Tobi und ich mit ihnen für einen Wochenendbesuch nach Ndola.
Samstag Morgen habe ich mich von meiner alten Gastfamilie aus mit Tobi auf den Weg zu einer Besucherin aus der Heimat gemacht, welche sich als „Vermittlerin“ zwischen Entsende- und Empfängerorganisation beruflich für ein paar Tage hier in Ndola aufhielt.
Es war mal wieder richtig warm....keine Spur von Regen, was einem hübschen, knall grünen Chamäleon wohl auch gut gefallen hat. Es spazierte gemütlich mitten in unserem Stadtteil über die Straße.
Ganz schön mutig, es war wohl auf der Suche nach Nahrung.
Getrocknete Maden/ Würmer hätte es prima auf dem Masala Markt gefunden, welchen ich nachmittags mit der Besucherin besichtigt habe. Ein Besuch vom St. Anthonys orphenage lag dann auch nahe.
Das Betreten des „Kinderheims“, in welchem 137 verwaiste, missbrauchte, HIV positive oder behinderte Kinder untergebracht sind, stimmt einen jedes mal nachdenklich.
Wie gut es doch die Martinskinder im Vergleich haben...
Regina, eine dt. Freiwillige, hat die letzten 3 Monate hier gearbeitet und gelebt.
Zusammen mit den Ösis haben wir abends mit einer Nudel/Gemüse/Hühnchen- Pfanne und ein paar Mosis ihren Abschied gefeiert.
Da Dana vor ein paar Wochen ihren IFD abgebrochen hat, bleibe ich als einziges Mädel zurück.
Nach einem Sonntag mit vor dem Altar zu Bembaliedern tanzenden Kerlen, hitzigen Diskussionen im Jugendtreffen, einem kurzen Trip zu Ndolas Flughafen,einem verregneten SSC- Treffen, ging es dann Montag früh morgens wieder ab nach Kitwe.
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