...und berichtet von ihrem Freiwilligendienst 2010/11 im Bistum Ndola,Sambia
Mittwoch, 20. April 2011
Dienstag, 12. April 2011
deutschland ist schon schoen...
Am zweiten Tag ging ich das Begrüßen von D. Etwas vorsichtiger an. Ich ging grinsend auf sie zu, sie grinste zurück.Ich gab ihr die Hand und sagte formhalber „Good morning“, sie nahm die Hand. Sie drückte fest zu. Sie fasste mir nicht an die Brust. Ein Fortschritt.
Am Tag Nummer drei ging die Begrüßung etwas unter, da recht viele Leute auf dem Gelände unterwegs waren. Als ich meinen Teller nach dem Mittagsessen in der Küche abstellte, spürte ich einen harten Schlag auf meinem Rücken. Überrascht drehte ich mich um und sah gerade noch D.s Rockzipfel um die Ecke verschwinden. Selbst Schuld, ich hatte ihr keinen Guten Morgen gewünscht.
Im Laufe der nächsten Tage habe ich öfter beobachtet, dass sie die anderen Kinder schlägt. Meistens pirscht sie sich von hinten an, schlägt zu, schaut grinsend nach Anerkennung suchend in die Runde und rennt weg.
Sie meint das nicht böse, sie sucht nur irgendwie nach Aufmerksamkeit. Wenn wir Spiele spielen, kommt sie immer angehopst und schaut amüsiert zu. Mitmachen geht ja nicht.
Sie ist ein geheimnisvoller, bunter Schatten, den man versuchen sollte, zu verstehen.
Es ist Schade, dass sie ihr Recht auf Bildung und Förderung nicht wahrnehmen darf.
Vielleicht lässt sich da was machen, irgendwann.
Wohl scheint sie sich auf jeden Fall zu fühlen, genauso wie die anderen Heimkinder.
Letzte Woche bekamen wir von Schwester R. auf Anfrage einige gespendete Brettspiele und Spielzeuge aus der Schule gebracht, was schon mal viel Beschäftigung brachte.
Neben „4gewinnt“ fand auch „Stadt, Land, Fluss“ schnell eine große Fangemeinschaft.
Bei diesem Spiel kann man sich prima interkulturell austauschen und einiges über den Bildungsstand der Mädels erfahren.
Wenn es zu zeltlagermäßigen Spielen kommt, sind einfache,gesungene Spiele am beliebtesten.
Singen tuen sie sehr gerne und ich konnte in schon einen Gospelsong beibringen.
Für solche und ähnliche Späße werden wir jetzt noch mehr Zeit haben, da am Freitag die 1monatigen Ferien begonnen haben.
In diese wurde mit einem „Spendensammelschulfest“ gesatartet. Schul- und Nachbarkinder konnten für 1000K ( keine 20 Cent) Tickets für verschiedene Spiele/Aktivitäten wie Tanzen, Kinder schminken, Kerzen anzünden ect. ersteigern. Hatte man 8 Kerzen mit einem Streichholz anzünden können, sich getraut angemalt zu werden, blind zu puzzeln oder jemanden im Tanzbattle zu schlagen, bekam man einen Preis in Form von Kuscheltieren, Büchern oder Kleidungsstücken.
Ich habe anfangs ein wenig beim Kinderschminken ausgeholfen und später bei der Tanzerei zugesehen.
Das ist schon was Interessantes. Da stellen sich einfach zwei 8jährige vor der halben Schulmannschaft auf eine Holzbühne und fangen an zu „my love is wicked“ zu tanzen - also mit Arsch und Hüfte im Rhythmus zu wackeln.
Im Anschluss darf das Publikum durch „aweeee“ und „eyeee“- Rufe den Sieger küren.
Wenn man nicht auf battles steht, kann man auch einfach so mal eine Performance auf der Bühne ablegen.
Unsere Mädels haben dies auch mehrmals getan.
Man packte jedes Mal gleich einen ganzen Haufen von ihnen auf die Bühne und dieser bewegte sich dann recht synchron da oben herum. Glücklicherweise hatten sie auch die 4jährige J. dabei, welche durch ihren extravaganten Tanzstil und ihre selbstbewusste Art zum Spaßbringer Nummer 1 wurde.
An dieser Stelle bin ich beim Schreiben eingeschlafen, jetzt ist Dienstag Nachmittag, ich sitzte im Internetcafe und habe Zeitdruck. also ganz schnelle jetzt.
Am Sonntag war ich mit den Oesis, meinem kleinen bruder und einem seiner Freunde ein Abenteuer machen. Wir haben einen "Schatz" gesucht, dessen GPS-Daten im Internet vermerkt sind. Diese sagten, dass wir uns an den Stadtrand bewegen mussten und so kamen wir Stadtkinder endlich mal wieder in laendliche Gegenden. Es war ein schoener, sonniger Tag. Die Regenzeit neigt sich dem Ende und die kalte Jahreszeit rueckt an.
Nach nicht allzu langer Zeit wurde der Schatz in form einer grossen Plastikbox in einer Astgabelung gefunden. Spaeter haben wir noch kurz Halt beim ndolanischen Bahnhof gemacht und alte, alte Waggons bestiegen. Dieser kurze Trip war fuer meinen Bruder etwas ganz Besonderes, er freut sich schon auf den naechsten. Familienausfluege oder sowas ist hier ja -ausser von Verwandtschaftsbesuchen- gar nicht drinnen.
Seit gestern fahre ich mit dem Rad zu Arbeit. Erst geht es durch die Stadt und dann auf und ab und auf und ab am Rand der Landstrasse nach Twapia.
Links und rechts gibt es Busch und das halbfertige Fussballstadion zu betrachten, bei welchem vor gut 2 wochen durch einen gedankenlosen single Zigarettenweitwurf eine Explosion ausgeloest wurde. 2 Menschen sind gestorben, weitere wurden mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht.
Fuer die Sambianer ist klar, dass es sich hierbei um einen chinesischen Weitwurf handelte.