Mittwoch, 20. April 2011

Pause

Funkstille auf Grund von Landeserkundung mit Besuch aus der Heimat =)

Dienstag, 12. April 2011

deutschland ist schon schoen...

Am zweiten Tag ging ich das Begrüßen von D. Etwas vorsichtiger an. Ich ging grinsend auf sie zu, sie grinste zurück.Ich gab ihr die Hand und sagte formhalber „Good morning“, sie nahm die Hand. Sie drückte fest zu. Sie fasste mir nicht an die Brust. Ein Fortschritt.

Am Tag Nummer drei ging die Begrüßung etwas unter, da recht viele Leute auf dem Gelände unterwegs waren. Als ich meinen Teller nach dem Mittagsessen in der Küche abstellte, spürte ich einen harten Schlag auf meinem Rücken. Überrascht drehte ich mich um und sah gerade noch D.s Rockzipfel um die Ecke verschwinden. Selbst Schuld, ich hatte ihr keinen Guten Morgen gewünscht.

Im Laufe der nächsten Tage habe ich öfter beobachtet, dass sie die anderen Kinder schlägt. Meistens pirscht sie sich von hinten an, schlägt zu, schaut grinsend nach Anerkennung suchend in die Runde und rennt weg.

Sie meint das nicht böse, sie sucht nur irgendwie nach Aufmerksamkeit. Wenn wir Spiele spielen, kommt sie immer angehopst und schaut amüsiert zu. Mitmachen geht ja nicht.

Sie ist ein geheimnisvoller, bunter Schatten, den man versuchen sollte, zu verstehen.

Es ist Schade, dass sie ihr Recht auf Bildung und Förderung nicht wahrnehmen darf.

Vielleicht lässt sich da was machen, irgendwann.

Wohl scheint sie sich auf jeden Fall zu fühlen, genauso wie die anderen Heimkinder.

Letzte Woche bekamen wir von Schwester R. auf Anfrage einige gespendete Brettspiele und Spielzeuge aus der Schule gebracht, was schon mal viel Beschäftigung brachte.

Neben „4gewinnt“ fand auch „Stadt, Land, Fluss“ schnell eine große Fangemeinschaft.

Bei diesem Spiel kann man sich prima interkulturell austauschen und einiges über den Bildungsstand der Mädels erfahren.

Wenn es zu zeltlagermäßigen Spielen kommt, sind einfache,gesungene Spiele am beliebtesten.

Singen tuen sie sehr gerne und ich konnte in schon einen Gospelsong beibringen.

Für solche und ähnliche Späße werden wir jetzt noch mehr Zeit haben, da am Freitag die 1monatigen Ferien begonnen haben.

In diese wurde mit einem „Spendensammelschulfest“ gesatartet. Schul- und Nachbarkinder konnten für 1000K ( keine 20 Cent) Tickets für verschiedene Spiele/Aktivitäten wie Tanzen, Kinder schminken, Kerzen anzünden ect. ersteigern. Hatte man 8 Kerzen mit einem Streichholz anzünden können, sich getraut angemalt zu werden, blind zu puzzeln oder jemanden im Tanzbattle zu schlagen, bekam man einen Preis in Form von Kuscheltieren, Büchern oder Kleidungsstücken.

Ich habe anfangs ein wenig beim Kinderschminken ausgeholfen und später bei der Tanzerei zugesehen.

Das ist schon was Interessantes. Da stellen sich einfach zwei 8jährige vor der halben Schulmannschaft auf eine Holzbühne und fangen an zu „my love is wicked“ zu tanzen - also mit Arsch und Hüfte im Rhythmus zu wackeln.

Im Anschluss darf das Publikum durch „aweeee“ und „eyeee“- Rufe den Sieger küren.

Wenn man nicht auf battles steht, kann man auch einfach so mal eine Performance auf der Bühne ablegen.

Unsere Mädels haben dies auch mehrmals getan.

Man packte jedes Mal gleich einen ganzen Haufen von ihnen auf die Bühne und dieser bewegte sich dann recht synchron da oben herum. Glücklicherweise hatten sie auch die 4jährige J. dabei, welche durch ihren extravaganten Tanzstil und ihre selbstbewusste Art zum Spaßbringer Nummer 1 wurde.

An dieser Stelle bin ich beim Schreiben eingeschlafen, jetzt ist Dienstag Nachmittag, ich sitzte im Internetcafe und habe Zeitdruck. also ganz schnelle jetzt.

Am Sonntag war ich mit den Oesis, meinem kleinen bruder und einem seiner Freunde ein Abenteuer machen. Wir haben einen "Schatz" gesucht, dessen GPS-Daten im Internet vermerkt sind. Diese sagten, dass wir uns an den Stadtrand bewegen mussten und so kamen wir Stadtkinder endlich mal wieder in laendliche Gegenden. Es war ein schoener, sonniger Tag. Die Regenzeit neigt sich dem Ende und die kalte Jahreszeit rueckt an.

Nach nicht allzu langer Zeit wurde der Schatz in form einer grossen Plastikbox in einer Astgabelung gefunden. Spaeter haben wir noch kurz Halt beim ndolanischen Bahnhof gemacht und alte, alte Waggons bestiegen. Dieser kurze Trip war fuer meinen Bruder etwas ganz Besonderes, er freut sich schon auf den naechsten. Familienausfluege oder sowas ist hier ja -ausser von Verwandtschaftsbesuchen- gar nicht drinnen.

Seit gestern fahre ich mit dem Rad zu Arbeit. Erst geht es durch die Stadt und dann auf und ab und auf und ab am Rand der Landstrasse nach Twapia.

Links und rechts gibt es Busch und das halbfertige Fussballstadion zu betrachten, bei welchem vor gut 2 wochen durch einen gedankenlosen single Zigarettenweitwurf eine Explosion ausgeloest wurde. 2 Menschen sind gestorben, weitere wurden mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht.

Fuer die Sambianer ist klar, dass es sich hierbei um einen chinesischen Weitwurf handelte.




Dienstag, 5. April 2011

Ueber meine Kuku, neue Arbeit und meinen Geburtstag

Nachtrag. Immer einmal wollte ich von meiner 89jährigen Kuku ( Uhroma ) erzählen, mit welcher ich mir in meiner 2. Kitwer Gastfamilie ein Zimmer geteilt habe. Um ihre Person bestmöglich zu beschreiben, gebe ich wohl mal einen Tag mit ihr wieder. Wenn ich morgens aufwachte und mich nach links drehte, hätte ich sie mühelos im Liegen wachrütteln können. So eng beieinander standen die Bette.Das war aber nicht möglich. Die halbnackte Kuku hatte einen leichten Schlaf und wurde somit durch jegliche schreiende Handys mitgweckt. Egal. Sie murmelt dann etwas auf Lozi und „ aaaaah Good morning good morning good morning“. Manchmal wirft sie dann einen Blick auf ihr Handy, dass sie unbedingt haben musste, aber nicht ganz durchblickt. Letztens hab ich ihr noch mal zeigen müssen, wo sich der An- und Ausschalter befindet. Manchmal springt sie auch auf und wandert halbnackt durchs Haus. Während ich nach dem Anziehen einen prüfenden Blick in den Spiegel werfe, steht sie hinter mir und ahmt mich nach,während sie lacht und „hande hande“ ( gut, gut) ruft. Wenn ich frühstücke, kocht sie im Wasserkocher Wasser zum Kochen. Dann muss ich mich beeilen. Wenn sie vor mir im Bad ist, kann ich das mit dem Zähneputzen erstmal vergessen. Naja oder ich werde mit ihr im Bad eingeschlossen, weil sie einfach nicht auf mich warten möchte. Ist nicht böse gemeint, ich kann ja wieder aufschließen und gehen. Wenn sie mal ganz viel Langeweile hat, fängt sie an mit einem 20cm langen Besen gebückt um 7.30 Uhr am morgen die Einfahrt zu fegen. Warum? Vielleicht um dann- ohne ein schlechtes Gewissen zu haben- den ganzen Tag fernzusehen. Dieses ist natürlich auf englisch und sie versteht kein Wort. Egal, interessiert schauen zieht immer. Wenn ich abends nach Hause kommen, muss man sich erstmal überschwenglich und lachend begrüßen. Anfangs wollte ich ihr mal „ high five, low five, fist“ beibringen. Die ersten zwei Bewegungen gingen klar. Bei „fist“ bekam sie Angst, dass ich sie schlagen wollte. Nein, wollte ich natürlich nicht. Wenn auf der sambische Sender eingeschaltet ist und Musik ertönt, kommt es vor, dass sie mit Hüfteinsatz zu tanzen beginnt. Wenn ich mal eine kurze Tanzeinlage zu europäische Musik gebe, will sie das auch lernen. Wenn ich am Laptop sitze und wie gerade einen Bericht tippe, kommt sie ganz dicht ran und will das bitte auch lernen. Wenn ich abends kein Nshima esse, findet sie das ganz verrückt. Kuku ist immer schön ihr Nshima, dann badet sie und geht schlafen. Einmal kam ich in die Küche und Kuku lag auf dem Fußboden. Schock. Was ist passiert? Sie chillte mal eben und wartet auf heißes Wasser. Alles klar. Eines Abends forderte sie auf einmal eine Cola ein, welche sie für gewöhnlich nie trinkt. Am nächsten Tag fuhr sie Verwandte besuchen, was sie für gewöhnlich auch nie tut. Was soll sie denn woanders, sie kennt doch alles. Der kleine Trip schien ihr aber doch so gut zu gefallen, dass sie einfach mal über Nacht wegblieb. Als man ihr hier eine Cola anbot, schlug sie das Angebot vehement aus. Pff, als ob sie Cola trinken würde. Dann lieber Wasser ne. Einmal stand sie mit einem 5l- Kanister und einem Glas lässig in der Küche und meinte, dass sie den jetzt leer machen würde. Prost. Back to Ndola: Die erste Arbeitwsoche, sollte mehr eine Orientierungswoche sein. Tobi und ich begleiteten mehr oder weniger die ganze Zeit Schwester R., die Schulleiterin. Dienstags ging es erstmal 2h lang mit dem Auto auf schläglöcherigen Straßen nach Mufulira, um Schulgeldangelegenheiten zu regeln. Von Mittwoch bis Freitag waren wir in der Schule, haben Prüfungen beigewohnt, Noten in Schülerkarteien eingetragen und Zeit abgesessen. Freitag morgens kam das Highlight: ein Fußballspiel. Lehrer gegen 7.klässler. Barfuß auf rotem Sand bei intensiver Sonneneinstrahlung und mit Bemba- Schlachtrufen und Herumgetanze von Grundschulschülern. Das hatte schon was. Nach ca. 90minuten Spielzeit war klar, dass die Lehrermannschaft das Spiel mit nur einem Tor für sich entschied. Am Abends ging es ausgeruht mit Freiwilligen, Freunden, Brüdern und unserem 32jährigen Hausmädchen zum Geburtstaghereinfeiern. In unserem Lieblingstrink/tanzgarten war relativ tote Hose. Den Ndolanern soll nach Meinung der Ösis das Geld ausgehen. Später ging es in einen nahe gelegenen Club, wo ich mehr oder weniger um Punkt 12 mehrere Male mit Bier geduscht, getauft, gesegnet, begossen wurde. Ob das Tradition ist, wollte ich nicht wissen, Rache war mir in dem Augenblick wichtiger. Geburtstage sind hier in Sambia keine große Sache. Manchmal gibt’s ne Party, mnachmal gibt es aber auch nur einen Kuchen mit Zuckergussaufschrift und Karte. Sowas wie „Kaffee und Kuchen“ im Kreise der Familie ist unüblich und wegen der Größe und Verteilung der Verwandtschaft auch schwer umsetzbar. Nach Messe und Jugendtreffen am Sonntag morgen und vor einem ausgedehnten SCC- Besuch ging es zur Familienfarm in der Nähe Ndolas. Im November war ich das letzte Mal dort und abgesehen von einer kleinen Hütte traf man dort auf NICHTS. Diesmal war das ganze Grundstück mit hochgewachsenen und gut bestückten Maispflanzen besiedelt. Aller Achtung. Da wurde direkt mal was zum Futtern eingesammelt. Gestern ging es für mich los zum ersten Arbeitstag im „Twapia girls transient home“, wo ich jetzt doch auch Vormittags schon arbeiten soll. Am Morgen halten sich hier nur die zwei Hausmütter, ein Gärtner und 3 Kinder auf. L. ist drei Jahre, verhalten und Tochter einer Lehrerin. J. ist vier Jahre, verrückt, energiegeladen und schielt. Sie lebte bis Januar im 140 Kinder starken St. Anthonys, wo sie auf Grund ihrer Frechheit Probleme machte. Hier geht es besser. D. ist achtzehn Jahre, taub, stumm, mental behindert und irgendwie fröhlich.Sie läuft den ganzen Tag draußen umher und beobachtet grinsend die anderen. Sie steht immer. Sitrzen will oder mag sie nicht. Selbst essen tut sie im Laufen oder Stehen. Zur Schule kann sie nicht mehr gehen, weil sie manchmal Lehrer schlägt. Sowas würde sie hier im Heim aber eigentlich nicht bringen. Ich bin daher „furchtlos“ zu ihr hin, lächelte sie an und gab ihr meine Hand. Sie lächelte und nahm meine Hand. Sie ließ sie nicht los und fing an loszugehen. Okay, dann gehen wir eben ein wenig. Plötzlich kam ihre Hand ohne Vorwarnung hervorgeschossen und packte mir an die Brust. Und die Hand packte so zu, als wollte sie wie bei einer Kuh Milch zapfen. Okay. Jetzt habe ich auch Respekt. Den morgen über habe ich mit den Kleinen gespielt, auf dem Markt Gemüse gekauft und Hühner erst gerupft und dann ausgenommen. Meine Hände stinken immer noch. Gegen 12 kamen die ersten Schulkinder an und es wurde Nshima mit Bohnen und Rap gegessen. Danach stellte man sich vor, erzählte Märchen, spielte sambische und deutsche Spiele und Mädchenfußball. Es war so angenehm, herzlich aufgenommen zu werden, direkt Respektsperson zu sein und einfach spontan ein spaßbringendes Nachmittagsprogramm auf die Beine zu stellen. Ohne Geheule. Ich freue mich auf morgen.