Die letzte 2 Arbeitswochen im St. Martins waren noch einmal recht abwechslungsreich.
In meiner Abwesenheit gab es einen regelrechten Spendenboom.
Mehr Stifte, Musikinstrumente, Knete, Scheren und Unmengen von Spielsachen für draußen standen uns und den Kindern jetzt zur Verfügung.
Nach dem Anziehen und Füttern verbrachten Virginia und ich nun täglich etwas Zeit mit den Kindern in dem neuen Speise/ Spielzimmer, damit sie etwas „lernen“.
Danach ging es mit den Spielsachen und den Babies nach draußen zum herumtoben und spielen.
In der letzten Woche mussten ich ohne Virginia, welche für eine andere Mission arbeitete, und Sister L., welche für eine Op nach Italien flog, sein.
Da sich das Ende der Schulterm ankündigte, standen in den Klassen der Vorschule „Examen“ an.
Da dies ein sehr langwieriges und anstrengendes Unterfangen ist, unterstütze ich Sister G. zeitweise in der Baby class. Ich hatte diesen Job eindeutig unterschätzt.
Diese Kinder machen ihren Mund einfach nicht auf und wenn sie ihn dann mal öffnen, muss man verdammt gut im Lippenlesen oder Mund-an-Ohr-pressen sein.
Nicht einmal der eigene Name fällt ihnen teilweise ein.
Unsere Martinskinder waren da auch nicht besser, aber amüsanter :
„Chanda, was ist dein Name?“ „ Chanda“ „ Chanda wer ?“ „ Chanda boy“ . Ok. Alles klar!
„ Und was ist dein Name?“ „ dein Name“ „ Mein Name?“ „ mein Name“....
In den Englischexamen ging es hauptsächlich um die ersten paar Buchstaben aus dem Alphabet, den Alphabetsong und ums Objekte ausmalen.
Den Alphabetsong bekamen alle in Lautstärke 0,5 hin. „A for apple“ ging auch noch.
Aber spätestens beim Buchstabenerkennen war es dann vorbei.
In Mathe drehte sich alles um die Zahlen 1- 5/10.
Zählen können alle auf ihre eigene Art und Weise, bei 10 kam allerdings nur die Hälfte an.
Nach 3 Tagen Anschweigen, Nachnachnachnachfragen und krummen Bleistiftlinien bestaunen, war mir klar, dass ich alleine aus Geduldsgründen NIE Vorschullehrerin werden würde.
Da spiele ich doch wirklich lieber mit meinen, schreienden Kindern draußen und ermahne sie nicht in den Sand zu pinkeln oder Spielzeuge über den Zaun zu schmeißen.
Für den letzten Arbeitstag hatte ich ein paar Plakate mit Fotos und Gebasteltem und Wackelpudding vorbereitet.
In der Mittagspause gab es eine kleine Abschiedsfeier mit Gesang, Kuchen, Geschenken und Tanz,was stark an eine Geburtstagsparty erinnerte.
Von Seiten des Chors gab es das Gleiche nochmal am Abend, was sehr schön war =)
Samstags musste ich dann schließlich endgültig Abschied von Kindern, Stadt, Heim, Freunden und Familie nehmen. Ndola, meine liebste sambische Geburtsstadt, ich komme.
Kitwe, ich werde dich und vor allem meine Zwerge vermissen.
In Ndola werde ich die ersten 1,5 Monate wieder bei meiner ersten Gastfamilie verbringen, was sehr super ist.
Es tat verdammt gut wieder hier drüben zu sein. Seit Mittwoch gibt es hier sogar einen großen „Pick & Pay“, welchem ich sonntags mit den Ösis einen Besuch abgestattet hatte.
Es gibt da Brötchen mit Kürbiskernen und Weizenmischbrot, ich konnte es nicht fassen.
Wie toll =)
Man isst/kriegt hier nämlich nur Toastbrot, was man schlicht Brot nennt.
Erst wenn man das Brot auch wirklich toastet und nicht so isst, wird es zum Toastbrot.
Eine Wissenschaft für sich.
Und Brot gehört zum Tee.
Letztens wollte ich Cornflakes ( das ist Standard für morgens: Toast oder Cornflakes) mit Tee kombinieren, was meine Schwester mir quasi nicht erlaubte. Das geht doch nicht...
Gestern morgen fuhren Tobi und ich mit unserem Koordinator in den weit hinter dem Stadion liegenden Compound „Twapia“. „Twapia“ bedeutet so viel wie „ wir sind verbrannt/ pleite“, was ja schonmal sehr viel sagend ist.
Hier gibt es ein Mädels- und ein Jungenwaisenhaus mit Schule, welches von Dominikanerinnen geleitet wird.
Die Schule, welche sich auf dem Gelände des Jungenwaisenhauses befindet, wird von der gesamten Waisenschaft und Kindern aus dem Compound besucht.
Morgens werden wir zwei also beide hier sein, zum Mittagessen und für den Nachmittag werde ich mit den 35 Mädels zu ihrem Heim herüber wandern.
Nach einem ersten Gespräch mit der Schwester war klar, dass wir quasi überall mitarbeiten können, viel selber machen können und gut unterstützt werden.
Ich werde vielleicht Vormittags ein bisschen in der Vorschule, in der Küche und im Kunst/werkunterricht mithelfen und nachmittags den Mädels bei den Hausaufgaben helfen und Tanz/ Mal/ Spiel/ Theaterworkshops machen können =)
Und einen Drahtesel, um auf die Arbeit zu kommen, wird sehr wahrscheinlich auch vom Convent organisiert.
Das riecht nach einer guten Zeit!
