Montag morgen hat mich mein großer Bruder zum Busbahnhof gefahren, damit ich direkt von Ndola zur Arbeit düsen konnte. Er hatte am Vortag im Gottesdienst sein erstes Solo und zehrt wahrscheinlich heute noch von dem Erfolgsgefühl. Er träumt einmal ein Sänger zu werden =)
Die Arbeitswoche begann schon mal gut. Der freche 3 jährige, welcher mich am ersten Tag angepinkelt hat, hielt plötzlich einen Faust großen Stein ( meine Faust, nicht seine ) in der Hand und schmiss ihn absichtlich einem 4jährigen an den Kopf.
Resultat der Aktion war ein schöner Blutspringbrunnen, Geschrei und Unverständnis.
Nachdem der Brunnen versiegt war und wir den Kleinen gewaschen hatten, sah die Sache zum Glück mehr als nur halb so schlimm aus.
Gut für das Opfer und gut für den Täter!
Mittags kam ein Mann vorbei, um einen der 2jährigen zu besuchen.
Ich schätze zu mindestens, dass er 2 ist. Genau weiß das keiner. Seine Eltern haben ihn auf der Straße ausgesetzt und er wird jetzt vielleicht von dem Mann und seiner Frau adoptiert, was ungemein schön für ihn wäre.
Ob das Ganze klappt, steht noch in den Sternen, bis dahin heißt es : Abwarten!
Gewartet wurde die ganze Woche lang auch auf die Ankunft von Schwester L.
Sie ist eine kleine, über 80 jährige Italienerin und die Oberschwester/ Besitzerin des Kinderheims.
Sie war für längere Zeit auf Heimaturlaub und ich habe sie bisher noch nicht kennen gelernt.
Laut Erzählungen muss sie aber eine Wahnsinnsfrau sein.
Sie kocht für die Kinder am liebsten selbst, fährt mit dem Auto durch die Gegend und sammelt Spenden ein.
Die übrigen Schwestern versuchen sie auf Grund ihres Alters ein wenig zu bremsen.
Dies scheint aber nicht zu funktionieren, sie pflegt zu sagen „ Ausruhen kann ich mich immer noch im Himmel!“
Freitag, einen Tag später als geplant, kam sie dann endlich mit Obst, Spenden und italienischen Süßigkeiten für die Kids lautstark hupend angefahren.
Nachdem die Kinder begrüßt, von den Tanten ( die Bez. „ Arbeiterinnen“ weicht von nun an der Bez. „Tanten“, weils einfach schöner klingt) ein Willkommenslied gesungen wurde und die Mitschwestern sie auf den neusten Stand der Dinge gebracht haben, meinte sie „ so jetzt lasst mich erstmal mein Zimmer putzen, andernfalls weiß ich nicht, wie ich darin schlafen soll“!
Alles klar, die Geschichten über sie waren nicht übertrieben!
Diese Woche habe ich auch samstags gearbeitet, da eine Gruppe Kinder von einer Sonntagsschule vorbei kam, um mit den Martinskindern zu spielen. Zusammen mit deren Lehrerin hatte ich die Woche über schon ein kleines Programm bestehend aus Gesang, Spielen und Tanzen zusammengestellt.
Die Gruppe kam natürlich erstmal eine Stunde zu spät, also genau in sambian time.
In der Zwischenzeit habe ich mit der jüngsten Schwester sambische Musik für die Kinder draußen angeschmissen und wir haben uns schon mal eingetanzt.
Als die Besucher kamen und das Programm begann, verwandelte sich auch der Frechste der großen Jungs zu einem schüchternen, passiven Knirps und die Kleinen begannen sogar zu fremdeln.
Nach einiger Zeit haben dann aber doch ein paar wenige Vertrauen in die um einiges älteren Besucher gefasst und der Vormittag wurde zu einer recht gelungenen Abwechslung.
Während dem Spielen ist mir mal wieder aufgefallen, was für ausgefallene, bedeutungsstarke und lustige Namen manche Menschen hier haben.
Ein Junge hieß beispielsweise Schalom ( Friede) und ein Mädchen Mapalo ( Segen, übrigens auch mein neuer Bembaname). Viele Leute heißen auch Gift, Patience, Precious oder Natasha ( Danke).
Der Oberhammer ist aber der Name eines Jungen aus der Vorschule, welcher immer zum Windelnwechseln ins Heim gerannt kommt. Er heißt Nshima ( samb. Hauptnahrungsmittel)!!
Still und heimlich lache ich ihn immer noch dafür aus.
Das tue ich aber auch, wenn ich heute in den Spiegel schaue.
Gestern habe ich es gewagt, mir hier im Shoppingkomlex unserer Stadtteils das Pony schneiden zu lassen. Ein großer Fehler. Naja, wächst ja wieder..
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