Mittwoch, 17. November 2010

Ndolabesuch

Und langsam kehrt ein wenig Arbeitsalltag ein :
füttern, spielen, Windeln wechseln, füttern, Mittagsschlaf, spielen, füttern, fernsehen...dazu eine kleine Herausforderung hier und eine Meinungsverschiedenheit da.
Letzten Dienstag war ich allerdings mit einer Arbeiterin auf dem Markt in der Stadt, um einen großen Sack Erdnüsse mahlen zu lassen.
Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände und Babies werden - wie erwartet - mit einem Chitenge auf den Rücken gebunden oder auf dem Kopf getragen. Letzteres gilt natürlich nicht für den Transport von Kleinkindern.;P
Da ich auch etwas Produktives leisten wollte, durfte ich den Sack mit gemahlenen Nüssen zurück tragen, was bei den Verkäufern vor Ort natürlich für Aufsehen gesorgt hat.
Wieso trägt die Weiße den Sack? Kann die das überhaupt? Die soll mal lieber hier beim Verkaufen helfen!!
Auch wenn man selbst manchmal verdrängt, dass man anders aussieht, wird man immer und immer wieder daran erinnert.
Am Samstag Morgen habe ich mich zur großen Busstation aufgemacht, um mit einem der etwas größeren blauen Minibusse für einen Wochenendbesuch nach Ndola zu fahren.
Man muss sich hier höchstens Sorgen machen unter den unzähligen Bussen den richtigen zu finden und nicht, ob man pünktlich kommt. Es gibt keine Fahrpläne.
Die Busse fahren los, wenn sie voll sind.
Bis dahin muss man im Bus rumsitzen und sich von allerhand Kerlen anquatschen lassen, die einem durchs Fenster Getränke, Sonnenbrillen, DVDs, Handykarten ect. verkaufen wollen.
Nachdem dann der letzte umklappbare Sitz im Mittelgang des Busses in Gebrauch genommen wurde, ging es dann auch endlich ab nach Ndola! 40 Minuten Fahrt mit Sonnenschein, offenem Fenster, freier Straße und schöner Landschaft.
Die alte „Heimatstadt“ und meine Gastfamilie nach den paar Wochen wiederzusehen, hat mich komischerweise ein wenig umgehauen.
Nachmittags haben meine Schwestern und ich unsere Mutter zu deren „Farm“ (20 km außerhalb von Ndola) begleitet.
Auf dem Weg dorthin haben wir einige Dörfer passiert, was für mich immer noch sehr spannend ist, da ich mich ja fast immer in der Stadt aufhalte.
In einem Dörfchen haben wir kurz angehalten. Ganz viele kleine Kinder kamen angerannt, um die Weiße zu sehen.
Auf dem Land ist das nämlich wirklich etwas Ungewohntes.
Als ich ausgestiegen bin, um zu den Kindern zu gehen, sind sie vor Angst erstmal weggerannt.
Das war schon seltsam. Meine Haut hat doch einfach nur eine andere Farbe !?
Nach aufmunterndem Zureden meiner Gastfamilie hat sich die Bande dann wieder langsam genähert und ein mutiger Kleiner hat sich sogar getraut mir zum Abschied die Hand zu geben...
Dann ging es weiter Richtung „ Farm“! Ja Farm ist gut. Es handelt sich um ein Stück Land, auf welchem eine Einzimmerhütte steht.
In dieser Hütte lebt ein junger Mann, der eigentlich den Boden bearbeiten und die gebrachten Pflanzen einpflanzen soll.
Er scheint aber wohl besseres zu tun zu haben und geht seinen eigenen Geschäften nach.
Die Idee, die gebrachten Pflanzen an Nachbarn oder die Dorfbewohner zu verkaufen und sich von dem Geld die Kante zu geben, ist ja auch nicht ganz von schlechten Eltern. Das muss man zu geben.
Abends war ich dann mit den Ösis in einer unserer liebsten open air Bars.
Glücklicherweise waren noch einige Leute aus dem Chor da, welche das Ende der Abschlussexamenschreiberei gefeiert haben, und wir haben ein wenig das Tanzbein geschwungen.
Auch hier bleibt man leider leider nie unbeobachtet.
Ständig kommt jemand an, der einem zeigen will wie man zu tanzen hat.
Das ist zwar nett gemeint, aber wieso um alles in der Welt dürfen wir Europäer nicht unsern Tanzstil beibehalten?
Eine kompliziere Angelegenheit.
Am nächsten Morgen war ich wie gewohnt im Jugendgottesdienst und habe am Jugend/Chortreffen teilgenommen.
Zum Abschluss des Treffens haben sich alle in einen Gebetskreis aufgestellt. Menschen, die irgendein Problem haben, sollten sich in dessen Mitte zusammenfinden und durch Händehalten einen Innenkreis bilden.
Dann ging es ab mit der Beterei. Anfangs war mir das ganze sehr suspekt und es kam mir so vor, als würde ich mir Gebetsriten einer nicht weit verbreiteten Sekte anhören.
Als aber dann jeder auf einer anderen Sprache ( Englisch, Bemba , „Stummsprache“) zu beten, singen oder schreien begann und 3 der Ältesten herum gingen, um jedem einzelnen die Hände auf die Schultern zu legen und einen Gebetsvers mit einer derartigen Lautstärke, Kraft und Überzeugung zu zuschreien, war ich mächtig beeindruckt. So viel Kraft, Glaube, Power und Gemeinschaft kam auf, was auch die eine oder andere zum Weinen gebracht hat.

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