Montag, 20. September 2010

Über Sonnenbrände, tote Schlangen und meine letzte Woche im CYP

Die zweite und letzte Woche im Cicetekelo Youth Project war genauso interessant, gediegen und abwechslungsreich wie die erste.
Diesmal hat mich allerdings nicht ein Schwein im Kofferraum des Transportbusses begrüßt, sondern meine lieben Freunde (der Fußballcoach und Freiwillige), welche sich nach dem Verbleib von sämtlichem Körperfett und make- up erkundigt haben. Scherzkekse.
Als würde man im Land der Kohlenhydrate abnehmen!
Am ersten Tag gab es nicht sonderlich viel zu tun, außer sich mit den Jungs zu unterhalten und an der „health education“ teilzunehmen.
Hier lernen die Kerle, wie wichtig es ist, sich, das Heim und das Essen sauber zu halten.
Die meiste Zeit war ich draußen und habe mir meinen ersten Sonnenbrand eingefangen.
September und Oktober gehören der „hot & dry season“ an und man merkt von Tag zu Tag, wie Temperatur und Sonnenintensität zunehmen. Noch ist es aber sehr erträglich!
In den folgenden Tagen habe ich morgens meist bei der Gartenarbeit zu gesehen und mit den Jungens Fußball gespielt.
2 mal habe ich Nachmittags ein bisschen Unterricht mit der Gruppe von Mädchen gemacht, welche immer um 14 Uhr anrücken.
Wir haben die Körperteile im Gesicht auf englisch gelernt, was für einige mortz schwierig war. Des weiteren habe ich die Karte von Sambia angemalt und sie nach Nachbarländern und Provinzen von ihrer Heimat gefragt. Das war ein harter Kampf, aber am Ende konnten sie dann alle Nachbarländer im Chor in korrekter Reihenfolge aufsagen.
Ansonsten habe ich im Unterricht der Jungens gesessen, um z.B. Matheschwache ein wenig zu unterstützen, oder habe im Studierzimmer bei den Hausaufgaben geholfen.
Die Lehrer und Lehrerinnen waren allesamt sehr nett, an meiner Meinung bzgl. des Projektes interessiert und haben mich alles machen lassen...was nicht unbedingt selbstverständlich ist.
Zwischen Lehrkraft und Schüler herrscht ein recht persönliches und vertrauliches Verhältnis, was ein gutes Arbeitsklima schafft.
Umso mehr hat es mich geschockt, als am Donnerstag ein Mädchen von einem brennballartigen Spiel weg gerufen wurde, um einen Klaps auf die Wange zu bekommen.
Sie musste sich dafür niederknien...ich war sprachlos.

Sprachlos war ich auch beim Geldwechseln am Freitag Nachmittag.
Mein Geldschein hatte einen kleinen Riss und war damit laut Postbeamten nicht umtauschbar.
Und ich dachte den deutschen Perfektionismus hinter mir gelassen zu haben.
Pustekuchen! Dana und ich zogen nach vergeblichen Diskussionsversuchen resigniert ab.
Am nächsten Tag habe ich mein Glück in der 2. Filiale versucht und ratet mal, wie es ausging!
Hier war es tapali umulandu (kein Problem)!
Da wollte wohl mal wieder einer Musungus (Weiße) ärgern.
Das passiert hier leider ziemlich oft.
Rufe, Gegrabsche und Siegesmienen auf den Gesichtern der Konduktoren, wenn wir in IHREN Bus einsteigen, begleiten einen vor allem in Masala.
Dort waren Dana und ich am Mittwoch, um Regina ( neue Freiwillige im St.Anthony, bleibt 3 Monate) den Markt zu zeigen und sie beim Kauf ihres ersten Chitenges zu beraten.
Dieser muss nämlich was ganz besonderes sein!
Vielleicht führt sie diesen zum ersten Mal nächsten Freitag aus, da werden nämlich die Makuba Awards verliehen. Die Verleihung kann man in etwa mit der der Oskars vergleichen.
Und wir wollen auf jeden Fall dabei sein!!!
Die Österreicher werden von ihrer Arbeit aus einen Film drehen, da die Mission Press die Veranstaltung organisiert.
Am Freitag hat meine kleine Schwester mal nebenbei erwähnt, dass sie zusammen mit einem Team von der Schule ein selbst geschriebenes Lied vortragen wird.
Von 48 Schulteams wurden 3 nominiert.
Sie nimmt das Ganze noch mit immenser Gelassenheit.
Naja ist ja nur ein Solopart dabei ..und den passenden Tanz müssen sie die Woche vielleicht noch einstudieren. Alles halb so wild...

So sehen die Pläne fürs nächste Wochenende aus!
Dieses habe ich mit Postbeamten verfluchen, Tanzbein mit den Freiwilligen und ein paar einheimischen Freunden schwingen, singen, Spaziergängen mit den Chorknaben, SCC, einem Workshop und so weiter verbracht.

Achja und am Montag habe ich meine erste Schlange gesehen =)
Die war allerdings halb tot, da sie vom Tor angemördert wurde.
Meine großen Brüder haben sie nach eingehender Untersuchung der Reaktion - und Beißfähigkeiten- welche nahezu null waren- von ihrem Leiden erlöst und sie nach einem Tanz ums Feuer in diesem schmoren lassen...

Das Thema Tod war die Woche über generell allgegenwärtig.
Letztes Wochenende tauchte eine Tante auf, die mit meiner Mutter tagelang immer mal auf einer Trauerfeier eines entfernten Verwandten war.
Trauerfeiern dauern im allgemeinen mehrere Tage, was aus ökonomischer Sicht ein echtes Problem ist..es gibt immer irgendwo welche.
Der Leiter des CYP war am Montag und Dienstag auf einer Beerdigung, eine Freundin meiner Schwester ist die Woche gestorben..auf Grund einer schlimmen Krankheit. Welche das wohl war?
Und am Dienstagabend war mein großer, großer Bruder auf der Beerdigung eines Freundes, der im Ghetto nachts erstochen wurde.Und ich dachte die Ndolaner seien so stolz auf ihre Freundlich- und Friedlichkeit. Nachts gewinnen halt andere Eigenschaften an Priorität. Zu mindestens in den Armenvierteln.
Ein guter Grund um bei Einbruch der Dunkelheit (ca. 18.30) zu Hause bzw. in einer Gruppe unterwegs zu sein!

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