Sonntag, 22. August 2010

Chingolo po Mukwai!

Ein paar erfahrungsreiche Tage sind vergangen und ich bin schon ein kleines Stück mehr Sambianerin geworden. Nshima ( Maisbrei) , Fisch ( von Kopf bis Flosse) und Kuhzunge (unwissentlich) zu essen, sich alleine in Ndola zurechtzufinden (oder auch nicht) und die ersten Sätze auf Bemba zu sprechen, haben dazu beigetragen. Patrick hat uns prophezeit, dass es etwa 2 Wochen dauert bis wir es geschafft haben, uns hier einzufinden und echte Sambianer geworden sind. Mal sehen.
Was mich im Moment am meisten beschäftigt, sind die sozialen Disparitäten.
Ich wohne - wie bereits erwähnt- bei wohlhabenderen Leuten in einem Township, wo nur solche leben.
Gestern war ich mit Tobi und ein paar neu gewonnenen Freunden unterwegs. Sie haben uns Lodges und Bars in ganz Ndola gezeigt und auch Freunde vorgestellt.
Die Freunde leben ähnlich wie ich. Vergisst man für einen Moment wo man ist, könnte man meinen, man sei in Beverly Hills, wie es Tobi gestern -meiner Meinung nach treffend- formuliert hat. Klar liegen Welten zwischen dem Lifestyle der Industrienationen und dem der Oberschicht Ndolas, aber in Sachen Plasmabildschirme, Autos und Mobiltelefone gibt es doch einige Ähnlichkeiten.
Das ist die eine Seite.
Ich durfte aber auch schon Teile der anderen Seite von Ndola und Umgebung kennen lernen.
Am Mittwoch zum Beispiel haben wir die Mishikishi Missionsstation ,welche 50 km von Ndola entfernt liegt,besucht. Auf dem Weg dort hin haben wir einen kleinen Eindruck davon gewonnen, wie Menschen in den ländlichen Dörfern in Armut leben.
Und auch bei der Krankenversorgungsstelle der Missionsstation begegneten wir zahlreichen Müttern mit Kindern, die einige Kilometer auf sich genommen hatten, um ihre Kinder hier untersuchen zu lassen und Medikamente zu erhalten.
Die Station erschien mir recht gut organisiert und ausgestattet.
In einem Labor können Tests für Malaria, Zucker, Hepatitis oder HIV ausgewertet werden.
Einer der Labormenschen hielt mir stolz die Utensilien für den Aids-test unter die Nase und versprach mir lächelnd, ich könne in einem Jahr gerne wiederkommen und auch einen machen lassen.
Natotela Mister für das Angebot!
Apropos Krankenversorgung! Meine Gastschwester hat es erkältungsmäßig böse erwischt und wir sind Donnerstag Abend spontan in ein neues , nahe gelegenes Krankenhaus gefahren.
Mrs Chanda hat mich dort einfach mal durch die wenigen Räumlichkeiten geführt, ein paar Malariakranke unabsichtlich geweckt und mir alles erklärt. Die Büros der Ärzte standen offen, die Behandlungsräume der Schwestern waren einfache Nischen im Flur. Ich erzählte meiner Gastmutter, dass ich das Krankenhaus angesichts der Sauberkeit und Ausstattung recht gut fand, aber dass es in Deutschland nie im Leben möglich wäre, Leute herum zuführen und in offene Büros rein zusehen. Jemand kann einfach hereinspazieren und Spritzen ect aus den Behandlungsnischen entwenden.
Mrs Chanda verstand meine Bedenken und erklärte mir, dass es sich hier um eine Art Privatkrankenhaus handle, indem nur eingetragene Mitglieder behandelt werden.
So ist das also!
Der behandelnde Arzt jedenfalls war sehr nett und erzählte uns, dass er irgendwann einmal in Deutschland die nicht vorhandene Geschwindigkeitsbegrenzung auf unseren Autobahnen mit einem Audi A8 ausnutzen möchte.
Nach dem die Behandlung abgeschlossen war, durfte auch der liebe Herr Arzt nach hause.
Das hat ihn wohl auch ziemlich gefreut, denn er ist einfach mal Abschiedsgrüße rufend aus dem Krankenhaus hinausGERANNT. Ein echtes sambisches Original.

Ich durfte mich aber bislang nicht nur mit der Krankenversorgung Ndolas vertraut machen, sondern auch mit der Arbeitslosigkeit und dem damit verbundenen Alkoholkonsum.
Gestern mittag habe ich mich mit Tobi und einem Einheimischen am Einkaufszentrum verabredet. Ich wollte zu Fuß dorthin gehen, da der Weg nicht weit und mir eigentlich bekannt war.
An der ersten Straßenkreuzung fand ich aber mehr als eine Straße verlockend und wusste nicht, welche wohl die richtige war. Naja, eigentlich wusste ich es schon, aber ich habe lieber mal am Minikiosk nachgefragt. Der befragte Sambianer konnte mir nicht wirklich Auskunft geben, wollte mir aber den Weg zeigen und mich scheinbar begleiten.
Ich habe ihm mehrfach versucht beizubringen, dass dies nicht nötig sei.
Aber das wollte er nicht ganz verstehen oder konnte es nicht..er war betrunken, wie sich bald herausstellte. Um ihn ab zu wimmeln, fragte ich den nächst besten Einheimischen um Rat. Und schwubs begleitete mich dieser auf meinem Weg zum Einkaufszentrum.
Allerdings war mir dieser um Längen sympathischer ( und nüchterner).
Am Einkaufszentrum angekommen, gesellte sich gleich der nächste angetrunkene Herr zu mir. Die wohl bekannte Regel „ Kein Bier vor 4“ scheint hier nicht besonders viele Fans zu haben.
Man muss aber dazu sagen, dass die Menschen keineswegs aufdringlich sind, sie sind interessiert..wollen wissen, wo man her kommt, was man tut ect.! Manch einer würde mir raten, diese Menschen zu ignorieren, aber ich tue mich schwer damit. Ich antworte ihnen, zwar kurz angebunden, aber ich antworte. Ich möchte nicht die Weiße sein, die von oben herab den Menschen begegnet.
Generell haben ich festgestellt, dass die Einwohner von Ndola ungeheur friedvolle, freundliche und hilfsbereite Menschen sind- egal ob betrunken oder nüchtern.
Es liegt nicht zuletzt an ihrer Mentalität, dass die Kriminalitätsrate trotz hoher Arbeitslosigkeit sehr niedrig ist. Und das wissen auch die Ndolaner und sie sind zu Recht stolz darauf.
Bevor ich herkam, dachte ich mich als Weiße ständig in Acht nehmen zu müssen.
Klar wird man beobachtet und angesprochen, aber das ist in Ordnung.

Chapwa ( Fertig)


Shaleenipo!!

PS: Ach nein, da fallen mir noch 2 Beispiele zum Thema soziale Disparitäten ein.

Es soll wohl vorkommen, dass sogar in unser Viertel bettelnde, hungernde Menschen
kommen. Für diese kocht meine überaus großherzige und engagierte Gastmama dann
einen Topf Nshima und sie müssen sich wenigstens für den Moment keine Gedanken
mehr machen, wie sie sich und ihre Familie essensmäßig durch den Tag bringen....

Nach dem Besuch der Missionsstation am Mittwoch fuhren Patrick, Tobi und ich zu
einem Wildtiergehege, wo wir dick an einem See zu Mittag gegessen haben.
Mit vollem Bauch sind wir später wieder Richtung Ndola gefahren..vorbei an den
Armutsvierteln und Dörfern....

Ich tue mich im Moment noch schwer meine Gedanken in die richtigen Worte zu fassen(Schule ist ja schon ein bisschen her ;P). ich denke aber, ihr versteht, was ich euch sagen möchte!!

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