Und der Besuch mit alt und jung im St. Anthony children´s village war gut.
Die Heimmutter hat erstmal -gegen meine Erwartungen- die ganze Truppe in das Wohngebäude ( klingt schön, was?) der geistig und körperlich Behinderten gebracht.
Dies war für Viele eine unangenehme und ungewohnte Erfahrung.
Nach dem Durchlaufen der anderen Wohngebäude versammelte man sich mit den älteren Kindern im „Klassenzimmer“, um einfache Spiele zu spielen und zu tanzen.
Wer gewann, bekam Süßigkeiten.
Vor allem die Mütter waren sehr von der Situation im Heim berührt.
Glücklicherweise konnte ich alle meine jüngeren Gastgeschwister zum Mitkommen überreden, was sie am Ende sicher nicht bereut haben. Jeder hatte SEIN Baby gefunden, was er so schnell auch nicht mehr zurückgeben wollte.
Bei untergehender Sonne und mit guter Laune ging es dann aber auch wieder auf der Ladefläche eines kleinen LKWs zurück in die Stadt.
Montags begann wieder eine neue Arbeitswoche. Um mich auf meine Zeit als Vorschullehrerin vorzubereiten, habe ich P. Wieder beim Unterrichten geholfen und fleißig Lieder wie „ How are you today“, „good morning mister Teddybear“, „Do what i do“ ect. gelernt.
Nachmittags ging es rasch ans Kofferpacken und dann wurde umgezogen.
Tschüss Großfamilie, Haus und Hunde!
Mwapoleni Kleinfamilie, Hochhaus und Kakerlaken!
Mit meiner neuen Gastmutter und – omi habe ich mich auf Anhieb gut verstanden und fühlte auf Grund der afrikanischen Gastfreundschaft direkt wohl und heimisch.
Meine ca. gleichaltrige Gastschwester studiert in Lusaka und kommt nur für die Ferien heim. Bis dahin habe ich ein Zimmer für mich alleine.
Schon am ersten Tag klärte mich Ma auf, dass man beim Einzug ins Premium Plaza ( so heißt der Hochhauskomplex, bin übrigens im 4. Stock) mit Kakerlaken einzieht. Keine Übertreibung.
Da flitzt mal eine über den Teppich, die andere kriecht hinter der Teedose hervor und eine weitere stürzt sich lebensmüde die Kücheneinrichtung hinunter.
Wasserprobleme hat man dazu auch noch. Das Wasser in der Leitung und kommt mal, je nach Belieben. Deswegen muss man immer allerhand Flaschen, Kanister und Eimer bei Wasserfluss füllen, um nicht im Trockenen zu sein.
In der ersten Nacht marschierte ich aufs Klo und wollte anschließend das Waschbecken im Nachbarbad ( Klo und Bad ist oftmals getrennt) benutzen. Geht nicht, okay, dann ab in die Küche.
Naja und als ich mich dann im Raum neben dem Bad kurz aufhielt, drangen plötzlich rasch Wasserrinnsale unter der Tür hervor. Ooo. Schnell zurück ins Bad. Flur schon unter Wasser, Bad sowieso. Das Wasser schoss in hohem Bogen aus der Leitung hervor. Ich wollte schnell den Hahn zudrehen. Hierbei wendete ich wirklich keine Gewalt an, aber das Waschbecken krachte trotzdem halb herunter. „Ataa“ würde der 4jährige C. aus dem St. Martins jetzt sagen.
Schnell Ma geweckt, Omi war dann leider auch schnell am Start.
Keiner war sauer. Omi gab sich die Schuld, da sie mir nicht von dem Gebrauchen des Waschbassins abgeraten hatte.
Naja dann wurde erstmal fröhlich aufgewischt.
Lalalala...Kakerlaken schwammen über den Flur und sind ertrunken...ist nicht Schade..Jammer Jammer Schade!
Das war doch ein super Willkommensgeschenk und ein großartiger Einstieg in einen anstrengenden Arbeitstag.
Um 8 Uhr morgens ging es los. Lieder singen war ja noch ganz nett und klappte prima.
Dann mussten wir ( M. Aus dem Mädelsheim, ein Philip. Bruder und ich)
An- oder Abwesendheit von 63 lauten, unruhigen Kindern in das Klassenbuch eintragen.
Nachdem dieser Kampf mehr oder weniger gewonnen und auch die Pullerpause um war, ging es weiter mit dem Singen.
Pause. Essen.
Mathe. Mathe? Wir haben die Form des Dreiecks, Würfels, Rechtecks und Kreises gelernt oder wiederholt. Nun mussten die Knirpse 4 angemalte Gegenständen an Hand ihrer Umrisse den 4 Formen zu ordnen.
Ins Heft bitte..Datum nicht vergessen.
Ich weiß nicht wie lange es gedauert hatte, bis jeder annähernd die Aufgabe gelöst hatte, aber es war lang und anstrengend. Da stehen 15 Kinder um dich rum, die dir alle ihre Heftchen hinhalten und bitte so schnell wie möglich drankommen wollen.
Naja und englisch verstehen sie ja auch nicht...
Später haben ich versucht ihnen draußen ein Kreisspiel beizubringen. Vergeblich.
Alleine das Bilden eines Kreises war für 60 Kinder schon zu viel verlangt.Resignation.
12 Uhr. Geht heim!
Am nächsten Tag ging das gleiche Spiel von neuem los, allerdings stand heute Kunstunterricht auf dem Plan.
Ich wollte, dass jeder sich draußen 2, 3 Blätter holt und mit Blatt und Wachsmalstift eine Frottage herstellt.
Im Endeffekt mussten wir dann die Händchen von jedem Kind übers Blatt führen, um ein annehmbares Ergebnis zu erlangen.
Vorbei, vorbei, vorbei.
Vorschullehrerin werde ich mit Sicherheit nie, aber das war ja schon vorher klar.
Die folgenden 2 Tage verbrachte ich ausschließlich im Mädelsheim.
Eigentlich wollte ich mich ein bisschen der behinderten D. annähern, um eine bessere Bindung zu ihr aufzubauen. Das ist aber wesentlich schwerer als gedacht.
Ich weiß, dass sie mich irgendwie mag, aber du kannst nicht lange mit ihr sein.
Sie rennt dann entweder weg, faucht oder fängt an dich zu schlagen oder weg zuschieben.
Der größte Erfolg war, als ich sie beim Quitschi- spielen zu mir zog und ihr den Ball für den Einwurf in die Hand gab. Gemeinsam haben wir ihn geworfen, dann ist sie kichernd weg gerannt.
Nächste Woche gibt es hoffentlich weitere Lichtblicke.
Gestern Morgen startete der Großteil des Chors ( ca. 30 Leute ) zu einem Chorkonzert in Kalulushi ( hinter Kitwe ).
Verschiedene Chöre trafen sich in einer Kirchenhalle um nacheinander Worship- songs zu präsentieren und einander zu zu hören.
Jeder Chor sang 3 Lieder, dann gab es eine Showeinlage eines Musikers, anschließend Mittagessen und dann nochmal 2 Lieder.
Bei den englischen Liedern wurde mitgesungen und gewippt.
Bei den meisten Bembaliedern wurde entweder in den Reihen stehend oder in der Mitte der Halle als Pulk getanzt.
Und da war sie wieder, die afrikanische Ausgelassenheit.
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