Wiederbelebungsmaßnahmen erfolgreich. Es geht wieder los. Eine schöne Osterwoche in Livingstone mit Familie und zwei ebenso tolle Wochen mit einer Freundin aus der Heimat sind vorbei und ich kann mich wieder dem Schreiben widmen.
Nach 8 Monaten Aufenthalt hier in Zambia habe ich es jetzt auch mal geschafft, den Stolz der Nation zu bewundern : die Viktoriafälle, größte herabstürzende Wassermasse der Erde.
Und es war beeindruckend. Kurz nach der Regenzeit sammelt sich im Zambesi das meiste Wasser an und bricht die über 100 Meter hohe Felsenwand hinunter. Verziert werden die Fälle mit aufstoßenden Dunstwolken, welche noch bis rüber zu den nächsten Felsen ziehen.
Spaziert man hier auf den Fußgängerwegen oder womöglich auf einer kleinen Brücke, welche zwei Felsen miteinander verbindet, wird man einfach nur nass.
Nach dem steilen Abgang durch einen kleinen, tropischen Regenwald zum Flussufer und dem darauf folgenden Aufstieg bot dies eine super Erfrischung.
Nicht nur das Wandern, sondern auch die dort sesshaften Paviane brachten einen zum Schwitzen.
Als ich so ganz mutterseelenallein ( naja so weit war sie jetzt gar nicht weg) vor mich dahin stieg, sah ich ein ausgewachsenes Prachtexemplar vor mir auf einem Felsen sitzen. Den knipste jetzt mal, dachte ich. Vergiss es.
Noch bevor ich meine Kamera aus der Bauchtasche zog, kam das Tier auf mich los gestürmt und wollte mir an die Tasche gehen. Ich dreht mich um, es prankte nach mir. Ich nahm einen Stein zum Drohen ( bei unseren Wachhunden zieht das ja meistens auch). Er haute ab.
Auf den Rundwegen des Geländes trafen wir noch auf weitere Affen, welche sich einfach mal mitten auf dem Weg lausten und nicht die Bohne ans Platz machen dachten. Frechheit, von wegen Respekt vor den Älteren!
In den Sambischen und Botsuanischen Nationalparks gab es dann noch einiges mehr von der afrikanischen Tierwelt zu sehen, aber nicht zu fühlen.
Nach ein bisschen Touridorf, Museum, Stadt und Verkaufsstände ansehen und im Nationalpark reiten, ging es in Begleitung meiner Freundin wieder ab in die sambische Geburtsstadt Ndola.
Hier durfte die Gute nach einem Tag Verschnaufspause ( Tag der Arbeit..ja ich weiß der war am Sonntag, aber die Sambianer kriegen aus großer Güte den Montag frei) mit mir auf die Arbeit.
Es war sehr schön, die Mädels alle wieder zu sehen.
Den ersten Tag haben wir quasi nur mit Spielen und Singen verbracht.
Mittwochs wollten wir im Park Netball spielen gehen. Allerdings musste erst noch gefrühstückt werden. Das Speisen wurde von einer tollen Gesangseinlage der hyperaktiven 4jährigen J. Unterlegt.
Nach dem sie etliche sambische Partylieder imitierte,war „Stille Nacht, heilige Nacht“dran.
Richtig gelesen. Es handelt sich um die deutsche Version des berühmten Weihnachtsliedes. Die Kinder vom St. Anthonys, wo sie um Weihnachten herum noch lebte, wurden dies von einer deutschen Freiwilligen gelehrt. Passende Handbewegungen durften natürlich auch nicht fehlen, das ist ja Ehrensache.
Es war einfach zu herrlich, als der laute, schrille, schielende Frechdachs seine Performance ablieferte und alle Anwesenden amüsierte.
Mitten in der Strophe wurde sie von einer 10jährigen unterbrochen, welche der Kleinen 2 Tabletten verabreichen wollte.
Eigentlich keine große Sache, eine Handbewegung, ein Schlucken und weiter geht es.
Aber so ist es doch gar nicht.
Wahrscheinlich waren es nur Tabletten gegen Erkältung, aber es hätten auch ARV´s ( HIV- Medikamente) sein können.
J. ist wie einige der anderen Mädels HIV positiv.
Ich weiß nicht genau wer infiziert es, will es auch nicht mehr wissen.
Hätte ich den Status von Allen vor dem Kennenlernen gewusst, wäre das vielleicht okay. Jetzt kenne ich meine Mädels zu mindestens ein bisschen und will wirklich nicht wissen, wer zu den 19% (!!!!) Infizierter im Copperbelt gehört.
Bei einigen, welche komische raue, pickelige Stellen am Kopf haben, kann ich mir eine Infektion aber denken.
Da singt da dieses Energie geladene Kind und plötzlich wird sie unterbrochen, muss aufhören. Medikamente. Alle wissen es. Alle schauen zu. Viele müssen sie selbst nehmen.
Da leben einige Energie geladene Menschen und plötzlich werden sie krank, sterben vielleicht.
Medikamente falsch? Zu spät ? Aus?
Schuldlos. Machtlos. Grundlos.
Spurenvoll.
Ich habe das Thema HIV/AIDS noch nie angesprochen, das wird noch irgendwann kommen. Irgendwann und vorsichtig.
Solange werden wir weiter Netball, Mädchenfußball und Bonga spielen, deutsche und englische Lieder singen, tanzen, malen und voneinander lernen.
Als meine Familie vor ein paar Wochen das Heim besuchte, wurde ohne viel Vorbereitung ein mortz Programm auf die Beine gestellt : deutsches, englisches, bembanisches ( ;) ) Willkommenslied;
deutsche und sambische Spiele; Traditioneller Tanz; Jazztanz; Moddeln.
Hätte man kein Veto eingelegt, würden sie wahrscheinlich noch heute weiter Sachen vorführen.
Begeisterung, Motivation und Interesse, davon haben sie allerhand.
Unsere verspätete „Ostereiersuche“ am letzten Freitag Nachmittag und das gemeinsame Verspeisen der Schokolade hinterher erntete daher auch schnell Gefallen.
Es war einfach schön.
Besonders in solchen Momenten weiß ich, dass es gut ist hier zu sein.
Wegen Wochenende, einem frei genommenen Tag und einem Arbeitstag im St. Anthonys mussten wir leider für einige Zeit fern von den Mädels sein.
Der Tag im St. Anthonys war erfahrungsreich und nervenaufreibend.
Besonders an der Arbeit mit den Behinderten ist uns aufgefallen, wie unterschiedlich Menschen doch ihre Arbeit und Verantwortlichkeit ernst nehmen können.
Liegt das an der Kultur und Mentalität? Ich befürchte ja.
Mehr will ich dazu aber jetzt nicht sagen.
Seit letzter Woche fing für die Mädchen in Twapia der Unterricht nach den Aprilferien wieder an.
Für mich und Doni ( meine Freundin ) war im Heim Vormittags nicht viel zu tun, also haben wir P. ( lebt auch im Heim ) bei ihrer Arbeit in der Vorschule ( ebenfalls auf dem Gelände des Jungenheims)
begleitet und auch selbst Unterricht geschmissen.
Das war Dank der leicht immensen Kommunikationsschwierigkeiten ein Problem.
Die Kinder sind ja entweder Waisen oder kommen aus dem Compound, was bedeutet, dass sie zu Hause nur Bemba ect. Sprechen.
Nach einer ausgelassenen Singeinlage rief mich die Leiterin der Vorschule ( bestehend aus 2 Klassen ) zu sich und verkündete, dass sämtliche Lehrer der Schule ( Vorschule und Basic School) nächste Woche zu einem 2tägigen Workshop müssen.
Ich könnte doch dann mal mit M. als Übersetzerin den Unterricht schmeißen und auch ihre Position als Leiterin übernehmen.
Wir bringen dann einfach mal beide Klassen zusammen. 60 Kinder.
60 Kinder, 2 Tage und ich.
Keine schlechte Herausforderung.
Den Stundenplan haben wir dann direkt mal ausgearbeitet und die Stunden müssen jetzt übers Wochenende bzw. Morgen ausgearbeitet werden.
Auch bei dem Chor und in den SCC geht es gerade ganz gut ab.
Samstag morgen mussten wir für ein Hochzeitspaar singen, anschließend wurde stundelang für heute geprobt. Heute mittag geht es mit dem Proben weiter, da nächsten Samstag ein Konzert ansteht.
Ich werde den Nachmittag aber mit meiner SCC verbringen, welche zusammen mit der
dazu gehörigen SCC der Älteren die Kinder im St. Anthonys besuchen wird.
Das wird bestimmt super =)
So und heute Abend wird dann mal schnell gepackt, da ich morgen nach der Arbeit Familie wechseln muss/ darf/ soll.
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