Dienstag, 28. Dezember 2010

Weihnachten im Reisebus

Eine Woche Europa/Deutschlandfeeling!
Das gab es für mich als ich die Tage vor Weihnachten bei aus Deutschland stammenden Freunden im Raum Johannesburg verbracht habe.
Deutsches Fernsehen, Essen, Benehmen/ Verhalten, das ist schon erstmal ungewohnt.Mir war auch klar, dass SA genauso gut in Europa hätte liegen könnte, zu mindestens gewisse Gegenden.Also eigentlich nichts ungewohntes. Aber wenn man dann durch ein Einkaufszentrum spaziert, welches sogar für europäische Verhältnisse sehr modern und groß ist, ist das nach 4 Monaten Aufenthalt in Sambia erstmal ein wenig überwältigend.
Da sitzt man im Cafe und ist erstens mit der großen Auswahl an Getränken überfordert und muss zweitens stark überlegen, WAS man wohl am besten trinken soll.
Wer weiß, wann man einen gescheiten Milkshake, einen ordentlichen Cafe Latte oder einen fruchtigen Smoothie das nächste Mal genießen kann.
Auch das Anschauen der Städte Pretoria und Johannesburg mit ihren riesigen Gebäuden und schick gestalteten Innenstädten, welche für die WM stark auf Vordermann gebracht wurden, war nicht schlecht. Vor lauter Glotzen passt man da weniger auf seine Handtasche auf, was in einem Land mit der 2.höchsten Kriminalitätsrate ( keine Garantie ) durchaus angemessen ist/ wäre.( is aber nix passiert).
Zudem habe ich es genossen, mal nicht ständig angeschaut und angesprochen zu werden, da hier ja genug Weiße rumspazieren.
Und als wir dann mal in einem Stadtteil in JB unterwegs waren, in welchem sich nur Schwarze aufhalten, ist mir erst nach langer Zeit und einem Hinweis meines Freundes aufgefallen, dass wir hier die einzigen Weißen waren. Na sowas.
Wenn man dann wieder mit dem Auto „heim“fährt, sieht man am Straßenrand Siedlungen aus kleinen Hütten mit Wellblechdächern, in welchen die Armen und illegalen Einwanderer leben.
Auch HIV/ Aids ist hier natürlich ein großes Thema.
In Sambia sind die Menschen ja teils relativ gut aufgeklärt, es gibt viele Kampagnen und ein HIV-Test MUSS im Falle einer Schwangerschaft gemacht werden.
In SA ist das kein Muss und gewisse Politiker verbreiten öffentlich Gerüchte, man könnte eine Infektion durch Duschen und Rotebeete essen vermeiden.
Unglaublich. Die gehören doch gefeuert.
Zwei Tag vor Heilig Abend habe ich meine Gastmutter und 2 Cousinen in JB getroffen, welche für einige Tage zum beruflichen Shoppen runterkamen. Das machen ganz viele Frauen in Sambia.
Sie kommen einmal im Monat hierher und kaufen Klamotten, Schuhe, Taschen ect. sehr günstig ein und verkaufen sie dann für das Doppelte ( oder so) weiter.
Ich konnte mir ja nicht vorstellen, dass man unter Einbezug von Transport- und Unterkunftskosten ect. da so viel Gewinn rausholen kann. Aber es soll ein sehr lukratives Geschäft sein.
Der einzige Haken ist, dass Viele ihre Sachen auf Kredit an mehr oder weniger gute Bekannte verkaufen und es Monate und viel Stress dauern/ kosten kann das Geld endlich zu erhalten.
Wie auch immer.
Am Tag vor Heilig Abend sind wir 4 dann mit dem Bus von einem recht neu gegründeten Unternehmen Richtung Kitwe aufgebrochen.
Von diesem Trip muss ich jetzt ausführlicher berichten, weil es einfach wieder typisch Sambia war =)
Wir kamen -wie viele Andere -extra einen Tag vor Abreise, zur Busstation, um den großen Haufen an Gepäckstücken aufzugeben, so dass der Bus schon zeitig hätte beladen werden können.
Haha. Denkste. Das wurde er erst am nächsten Tag.
Aus diesem Grund und der Tatsache, dass der Bus stark überbucht ( waaaarum?) war, ging es schon mal grob 2h später los als gedacht.
Eigentlich kein Problem, aber wir wollten schon gerne an Heilig Abend zu Hause sein und ich wollte unbedingt meine extra neu gekaufte Chorunifom (pinkes Oberteil, schwarzer Rock ;P ) für die Christmette anziehen.
Eine weitere Verzögerung gab es dank einer Motorüberhitzung an einem Hang irgendwo in SA.
Alle Reisenden saßen wie die Hühner auf der Stange auf der Leitplanke und schauten mit an, wie gelbliche Flüssigkeit aus dem Bus heraus lief und es ab und an kleine Wasserfontänen gab.
Später musste natürlich wieder Wasser aufgefüllt werden. Und welches nimmt man dazu am besten? Richtig. Trinkwasser von den Mitreisenden, am liebsten ohne zu fragen!!
Dadurch hat sich der Busfahrer, welcher sich eh schon durch seine ständigen Redewiederholungen und Unprofessionellität unbeliebt gemacht hat, noch mehr Feinde gemacht.
Als es irgendwann dunkel wurde, fing es aus der Klimaanlage über unseren Köpfen an stark zu tropfen. Das lieferte wieder einen prima Anlass den Busfahrer an zu pöbeln, was besonders bei sambischen Frauen ein beliebter Zeitvertreib ist.
Den Humor verlieren sie dabei aber nicht. Wir haben unsere zwangsentleerten Wasserflaschen wieder aufgefüllt und die Menschen aus der Reihe vor uns spannten einen gewaltigen Regenschirm auf. Dann ging es ab zur Grenze. Einmal bitte an der südafrikanischen Grenze aussteigen, ewig lange in einer riesigen Schlange anstehen und Pässe vorzeigen.
Alle Einkäuferinnen mussten zudem noch was mit ihren Waren regeln lasse.
Das passte dem Fahrer nicht so ganz und er ist einfach mal ohne einen Teil der Besatzung Richtung Simbabwegrenze aufgebrochen. Meine Gastmutter und Cousinen musste daher mit einem anderen Bus spontan die paar Minuten mitreisen. Super. Nach einem Fight bzgl. meines Visums an der 2. Grenze ging es dann endlich endlich weiter.
Es wurde Abend ( es war schon mitten in der Nacht) und es wurde Morgen zweiter Tag.
Eigentlich hätten wir gegen Knopperszeit schon längst wieder in Sambia sein sollen, aber wir kurvten noch bis 15 Uhr mittags im Nachbarland umher.
Auch die stark reduzierten Pausen ( 5 Min. an diesem Tag..der Fahrer hat schon wieder angefangen die Leute durch Hupen rein zu locken, als wir noch nicht mal ausgestiegen waren) haben die verlorene zeit nicht wieder gut gemacht.
An der samb. Grenze wurde 3h lang Gepäck deklariert, ein und – ausgeräumt.
Als die Christmette in Kitwe startete, hingen wir immer noch an diesem schönen Fleckchen Erde fest.
Nach einem Halt und Leuteablieferung in Lusaka und Ndola kamen wir dann endlich um 6 Uhr morgens!!!!! (12 h später als gehofft, erwartet, geplant) in Kitwe an.
Am ersten Weihnachtsfeiertag sollte es eine Hochzeit von einem Chormitglied geben, die fiel aber aus.
Stattdessen fand unsere Weihnachtsfeier statt!
Weihnachten ist hier nämlich nicht so das strickte Familienfest.
Die Weihnachtsfeier bestand aus Rederei, Essen, Wichteln ( was wenig gedauert hat, da jeder sein Geschenk vor allen auspacken musste =) ...und ausgerechnet mein Wichtel war so sehr betrunken, dass er nicht mal sein Geschenk ansehen konnte) und Tanz!!
Mit dem Tanzen ging es abends auf unserer kleinen Familienparty weiter.

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