Der erste Teil der Orientierungsphase war doch noch nicht ganz abgeschlossen, da vergangenen Montag noch ein Besuch der Stadt Kitwe anstand ( 60 km westlich von Ndola; mein Wohnort in einem Monat).
Wir haben uns meinen zukünftigen Arbeitsplatz, das St. Martin´s orphenage angesehen.
In dem kleinen, ziemlich bunten Heim leben zur Zeit (nur) 17 Kinder, die zwischen 2 Monate und 7 Jahre alt sind.
Es handelt sich hier nicht um ein wirkliches Waisenheim, sondern mehr um ein Kinderheim. Die Kinder sind nämlich keine Vollwaisen, sondern haben zB. nur ihre Mutter verloren. Um die Familien zu entlasten, leben sie die ersten paar Lebensjahre hier und kommen dann wieder zur Familie oder Angehörigen zurück.
Eine gute Sache, leider gibt es solche Heime nicht allzu oft.
Später haben wir noch die Radiostation der Diozöse, die Copperbelt und catholic University, eine Krankenstation vom IAP ( integrated Aids programme) und ein Collage besucht.
Alles sehr interessant! Mir ist mal wieder aufgefallen, was für eine wichtige Aufgabe die Institution Kirche, vor allem die katholische hier spielt. Das soll jetzt kein schleimiges Loblied werden, aber es ist nun mal Fakt, dass es einen Großteil der Einrichtungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und „ Zu Hause schenken“ ohne die katholische Kirche nicht gäbe.
Von Mittwoch bis Freitag habe ich ein Team vom IAP Ndola bei ihrer Arbeit begleitet.
Diese besteht darin, HIV-infizierte in den Slums zu besuchen, zu beraten und medizinisch zu versorgen. Leider habe ich die Woche erwischt, in der alle Mitarbeiter Reporte abgeben und die Besuchspläne für den kommenden Monat aufgestellt werden. Das Meeting der 20 Mitarbeiter am Mittwoch war hauptsächlich auf Bemba und ich habe nicht allzu viel verstanden. Am Donnerstag wurde es ein wenig spannender, da wir Krankenmappen für neue Patienten zusammengestellt haben ( freitags kommen die Leute immer zum IAP, um sich versorgen zu lassen), was gar nicht so anspruchslos war, da man sich die Papiere jedes Mal aufs neue zusammen suchen musste. Besser als jede Ostereiersuche!
So und am Freitag wurde es dann nochmal ne Runde spannender.
„Mein“ AIP- Team betreut rund 1000 HIV- Infizierte in 3 Slums von Ndola.
Zum Medikamente abholen und untersuchen lassen waren an diesem Tag ca. 50 Leute angekündigt.
Sie wurden zuerst gewogen und getermometert. Dann wurden sie weiter untersucht und haben schließlich ihre ARVs erhalten ( Antiretrovirale Medikamente zur Verminderung der Virenlast). Ich durfte die Leute in Empfang nehmen und ihre Gewichts und – Temperaturdaten in die Krankenmappen eintragen.Das Körpergewicht musste ich dann mit dem vorherigen vergleichen ( letzte Besuch liegt 1-3 Monate zurück).
Es war hart zu sehen, dass einfach JEDER der Patienten 1-5 kg abgenommen hat.
5kg in einem Monat!
Man sieht es den Leuten ja eigentlich nicht an, ob sie infiziert sind oder nicht.
Aber oft überlegt man sich, wenn man durch die Stadt mit einer so hohen Infektionsrate läuft, wer wohl alles betroffen ist.
Hier wusste ich, wer betroffen war. Es waren 2 Kinder da, deren Pupillen nach hinten verdreht waren, die blutige Stellen am Kopf hatten und nicht gerade glücklich aussahen.
Das einzige, was einen da noch aufmuntern kann, ist das Wissen, dass sie Medikamente bekommen und zwar umsonst!
Gegen Ende des Arbeitstages war ich bei der Medikamentenausgabe dabei und habe gesehen, wie viele Tabletten teilweise geschluckt werden müssen.
Die 3 Tage waren sehr interessant und ich hoffe, dass ich irgendwann später im Jahr nochmal die Chance ergreifen kann, bei den Hausbesuchen mitzukommen.
Ein gutes Kontrastprogramm zu diesen Erlebnissen bot das Wochenende. Freitags haben wir mit allen Freiwilligen ( wir sind momentan 7, 4 deutsche und 3 Ösis) das Nachtleben von Ndola ausprobiert. Gestern haben Dana und ich auf dem Masala Market ( größter und günstigster Markt; allerdings heißes Pflaster, da er im Armenviertel liegt) unsere ersten Chitengeröcke abgeholt, die wir uns haben schneidern lassen. Chitenge sind die traditionellen, bunten Stoffe , die man hier auf dem Markt meterweise kaufen kann.
Mittags war ich bei der Chorprobe, die war gut, aber verdammt lange.
Leider. Denn bei mir zu Hause fand gerade eine kitchen party statt.
kitchen parties gehören hier zu einer Hochzeit dazu, wie bei uns ein Polterabend.
Es finden sich für einen Mittag allerhand Frauen zusammen und beschenken die zukünftige Braut mit brauchbaren Sachen für die Küche im Eigenheim.
Der ganze Spaß kann Stunden dauern, es wird getanzt und gegessen. Alle haben Spaß, nur die Braut nicht. Diese muss nämlich die ganze Zeit ernst bleiben.
Nachdem ich das erfahren habe, versprach ich meinen Schwestern sicher nie hier zu heiraten ;P!
So und heute hatte ich dann meinen ersten Auftritt mit dem Chor! War ganz gut!
Nächste Woche arbeite ich im Citekelo Youth Projects. Allerdings noch nicht morgen, da wir da endlich nach Lusaka fahren können, um unser Jahresvisum abzuholen!!!=)
Mukese akasuba!
PS: Buchtipp für Interessierte an der Aids-Thematik:
„28 stories über Aids in Afrika“von Stephanie Nolen.
„ Stephanie Nolen erzählt von 28 Frauen, Männern und Kindern, und jede der Geschichten steht für 1 Million Menschen, die um ihr Leben kämpfen. Es ist eine Frage der Menschlichkeit, vor dem Ausmaß der Aids- Katastrophe nicht die Augen zu verschließen.“ Mir gefällt die authentische Erzählweise sehr sehr gut. Man erfährt viel über die Folgen von Aids auf Familie,Gesellschaft und Wirtschaft.
4 erzählende Personen leben in Sambia, 1 sogar in Kitwe! Dort ist jeder 4.Mensch HIV positiv ( Stand 2007)!
Zum Schluss ein kleines Zitat von der Frau aus Kitwe: „ Alles was wir taten, war letztlich sinnlos, weil wir Leute verloren- wir hatten zum Beispiel jemanden, der sehr gut mir Freiwilligen umgehen konnte, der in der Gemeinde eine Führungsrolle hatte, und der starb dann und die Fertigkeiten und das Wissen waren verloren. Und viele Felder sind von Unkraut überwuchert, weil die Eltern gestorben sind und die Kinder nicht wissen, was sie tun müssen!“
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen