Das Taizegebet und alles, was in den folgenden Tagen geschah, scheint wie ein Traum. Ich bin seit Sonntag früh wieder zu Hause in Deutschland. Trotzdem möchte ich aber noch von den letzten Erlebnissen swambiawaerts berichten.
In der vorletzten Woche war ich noch komplett arbeiten und durfte mit Rotstift gezückt auf die Examenhefte der VorschülerInnen losgehen.
Es war relativ stressig und nervenaufreibend, aber auch sehr unterhaltsam.
Frage: Nenne 3 Objekte, welche man im Klassenzimmer findet!
Antwort: Auto, Würstchen, Hühner
Frage: Nenne 3 Wassertransportmittel!
Antwort: Dach, Blatt
Frage: Gib 2 Objekte an, welche zur Kommunikation dienen!
Antwort: Pistole, Messer
Das anschließende Wochenende war geprägt von Abschiednehmen.
Am Samstag morgen fuhr ich mit allerhand Abschiedsgeschenken in Form von selbstegmachten Armbändern und Fotoalben bewaffnet zum Convent der Dominikanerinnen.
Ich hatte meinen Mädels schon seit langer, langer Zeit versprochen, mit ihnen im Swimming Pool der dominican Secondary School gegenüber der Kathedrale in der Stadt schwimmen zu gehen. Und ich hielt mein Versprechen.
Mit reichlich Verspätung kamen alle Mädels fein rausgeputzt mit einem Bus angefahren. Die erste, die aus dem Bus heraussprang, war die 6jährige K.!
Ich habe mich unglaublich gefreut, sie zu sehen, da dies keine Selbstverständlichkeit war.
K. saß am Tag zuvor morgens nicht in meiner Vorschulklasse. Sie war nie krank, was war los?
"She is gone" kam die Antort. Wie "gone"? Ihre Großeltern, welche sie früher immer im St. Anthonys children´s village besucht hatten, wollten sie jetzt plötzlich zu sich nehmen. Innerhalb von ein paar Stunden wurde Kleidung gepackt und verabschiedet. Zack war sie weg.
Zum Glück hielt sie sich noch 2 Tage übergangsweise im St. Anthonys auf und man konnte sie für den Schwimmtag abholen.
Der Pool war unglaublich kalt und es wurde nur herum geplanscht, da keiner schwimmen konnte.
Der Hunger kam und die Augen waren größer als der Magen.
Die Mädels haben es sichtlich genossen mal ein bisschen was anderes zu essen und haben kräftig aufgeladen. Zum Nachtisch gab es einen fetten Abschiedskuchen, den ich in der Stadt habe backen lassen. Zum Selbstbacken fehlte leider Zeit und große Backformen.
Über die persönlichen Geschenke haben sie sich sehr gefreut, wobei alles relativ emotionslos von statten ging.
Die Emotionen kamen danneine halbe Woche später, als ich das letzte mal im Heim war.
Ewig lange wurden Abschiedslieder gesungen und Geschichten von unserer gemeinsamen Zeit erzählt. Meine Arbeitskollegin P. hat schon Stunden vorher zu trauern begonnen. Der Abschied wurde nämlich als Beerdigung bezeichnet.
Nachdem bei der ersten Kleinen die Tränen kullerten, ging es auch bei mir los und der Dominoeffekt schlug zu. Von weinendem Mädchen zu weinendem Mädchen ging es langsam, aber unsicher zum Tor. Sogar die behinderte D. weinte ein bisschen. Weil es eben jeder tat.
Am Tag zuvor war ich in Kitwe, um mich von Familien, Chor, Freunden und den Martinskindern zu verabschieden.
Hier habe ich alleine geweint, da die Kleinen nichts verstanden haben.
Der 4jährige Steineschmeißer meinte nur " see you tomorroooooow" und grinste frech.
Nein, morgen komme ich leider nicht.
Der Chor hatte zusammen mit meiner SCC eine Party am Sonntag Nachmittag ausgerichtet. Location war der Garten meiner ersten Gastfamilie. Als ich die unendlich lange Kabinga Avenue auf dem Weg zur Party hinunterging, drang schon von sehr weit sambische Musik an meine Ohren.
Zu der Musik kamen später noch Essen, Wetttrinken, Reden und Tanz dazu.
Von den ca. 60 Leuten haben sich die Wenigsten wirklich von mir verabschiedet.
Ich war ja erstens noch eine Woche da und auch beim Chor anzutreffen und zweitens liegt den Sambianern das "bye bye" sagen nicht sonderlich.
Viele schleichen sich auf Feiern heimlich mit einem lässigen "See you later" davon.
Am Tag vor unserem Abflug gab es noch eine Abschiedsparty für mich und Tobi, kombiniert mit der Willkommensparty für die neuen Freiwilligen Jannah und Benedikt von der Diozöse.
Ein letztes Mal Nshima, Fleisch und stark christliche Reden.
Der Abend musste natürlich noch ein bisschen in der Stadt weiter gehen und der Abschied auch mit den Ösis und einem letzten Mosi gefeiert werden.
Um 12.15 Uhr am folgenden Tag war Bording time am Ndola INTERNATIONAL Airport.
Tobi und ich sind zu sambisch, um das ernst zu nehmen und ließen uns mit dem Abschiednehmen von unserem Gefolge viel Zeit.
Um 12.50 Uhr war dann Bording time für uns und um 13 Uhr ging es dann schon ab Richtung Joburg.
Nach einem stundenlangen Aufenthalt am kalten südafrikanischen Flughafen und einer halb schlaflosen Nacht in dem verspäteten Airbus Richtung Frankfurt kamen wir um 7.45 in der Heimat an.
Für die letzten paar Minuten hatte ich einen jungen Südafrikaner neben mir sitzen.
Er fragte mich interessiert, wo ich denn hinfliegen würde.
Ich grinste nur und antwortete " HOME".......
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