Die Schreibpause wurde länger als geplant. Hatte 2 Wochen lang Besuch von einer Freundin aus der Heimat und da verbringt man seine Zeit natürlich nicht vorm Laptop, sondern hier und da.
Am Tag ihrer Ankunft war ich Vormittags in der Vorschule wieder auf mich alleine gestellt! P. war krank und die Vorschulleiterin war ausgeflogen.
Nachdem ich die Kinderchen gebeten habe heute besonders lieb zu sein, wurden die ersten Lieder auch brav, ausgelassen geträllert.
Schnell wollte dann aber der erste Kerl aufs Klo, ich verbot es. Klopause ist später.
Nö Ba Judith. Auf einmal müssen alle unglaublich dringend aufs Töpfchen und beginnen ungeduldig und kichernd von einem Bein aufs andere zu treten.
Als wir dann ein Bewegungsspiel starteten, lief die Sache aus dem Ruder und die ersten rannten trotz Verbot aus dem Klassenraum.
Hilflos und sauer bin ich rüber in die andere Klasse und beklagte mich bei der dort unterrichtenden Lehrerin.
Kurzerhand kam sie zu uns rüber, hielt eine Standpauke und zückte den Bleistift.
Dann ging es reihum. Jeder ist fällig. Eine links und eine rechts auf die Handfläche.
Das wollte ich nicht. Zu spät.
Sehr schmerzvoll war die Bestrafung nicht, da einige während der Prozedur zu kichern begannen. Unglaublich.
Ich will nicht wissen, wie sie teilweise in ihrem Elternhaus „erzogen“ werden.
Die erwünschte Wirkung trat demnach nur teilweise ein, die Hauptunruhestifter musste ich zwischenzeitlich an die Luft setzten. Fanden sie auch lustig.
Mit dem Rest der Klasse habe ich eine Stunde Mathe und Kunst durchgezogen. Dies sind die einzigen Fächer, welche ich auf Englisch alleine halbwegs unterrichten kann.
An den folgenden Tagen ging es dann zusammen mit meiner Freundin Hannah auf die Arbeit. Glücklicherweise durfte sie eines der Schulevents, den jährlichen Sporttag, miterleben.
Alle Schüler werden nach Klassenstufe und Geschlecht mehr oder weniger fair auf 4 Gruppen verteilt, welchen jeweils 3 Lehrkräfte zugeteilt werden.
Die Gruppen wurden Haus Africa, Australia, Asia und America ( wer braucht schon Europa ? =() genannt.
Nach dem Singen der Nationalhymne, einem Morgengebet und kurzen Einführungen begannen alle LehrerInnen die erste Disziplin vorzustellen: Hochsprung.
Nachdem die alten Hasen mit gutem Beispiel voraus gingen, beeindruckten die SchülerInnen mit ihrem gewaltigen, afrikanischen Sprungvermögen.
Dem Hoch- folgte der Weitsprung, dann ging es ans Rennen, Sackhüpfen, Eierlaufen, Flaschentragen, Tauziehen, Staffellaufen ect.
Nach einem 7stündigen harten Kampf war klar, dass mein Haus trotz purer weiblicher Lehrkraftpower ( ich weiß, was der ein oder andere jetzt denkt )den letzten Platz belegte. Schade.
Das folgenden Wochenende verbrachten wir in Kitwe, um alles und alle dort zu besuchen.
Auf den Besuch im St. Martins habe ich mich natürlich mit am meisten gefreut. Leider ist die italienische Oberschwester auf Grund ihrer recht schlechten körperlichen Verfassung immer noch im Stiefelformland.
Sie würde alles darum geben, um wieder hier zu sein und nach dem Rechten zu sehen. Vor einiger Zeit ist unser jüngster Zuwachs verstorben. Sie war auf Grund von Unterernährung stark in ihrer Entwicklung zurück und sehr schwach.
Ich hatte zu ihr keinerlei Bezug, da sie erst nach meinem Abzug im Heim aufgenommen wurde.
Nach diesem Kurztrip ging es für einen doppelt so langen Trip nach Livingstone, um meine verbleibenden Urlaubstage zu vernichten und Hannah Sambias größten Stolz zu zeigen.
Auch diesmal wurde ich an den Fällen wieder fast von einem „Äffchen“ attackiert. Wobei man sich eigentlich nicht beschweren sollte, wenn man sich neben das Alphamännchen setzt und dabei zu sieht, wie es entlaust wird.
Und trotzdem hat er über reagiert, ich hätte seinen Entlauser schon nicht als Souvenir mit gehen lassen.
Hierfür hab ich mich ohne Bedenken für die schöne Trommel aus dem Kunstcafé entschieden.
Mit ihr im Gepäck ging es bald wieder zurück nach in Ndola, Hannah durfte hier noch das Kirchenleben und Arbeiten im St. Anthonys kennen lernen, während ich meinen neusten Minijob begann.
Im Auftrag von den Dom. Schwestern darf ich einen Film über all ihre Projekte ( St. Anthonys, Twapia transient homes & weitere Heime und Schulen) drehen, da bisher keiner existiert und eine österreichische Mitschwester den Menschen zu Hause gerne etwas zeigen möchte.
Bis es hier richtig los geht und nachdem Hannah abflog, unterstütze ich P. in der Vorschule beim Schreiben von Tests.
Was ein Stress.
Aufgabe: Zeichne 3 Dinge, welche helfen deinen Körper sauber zu halten.
Ergebnis: Nshima, ein Mädchen & ein Huhn
Der Rotstift hat schon verblüffend oft ein fettes „f“ in die kleinen Ökopapier- Hefte malen müssen.
Kein Wunder, dass ca. ein Drittel der Gruppe nicht in die 1. Klasse versetzt werden wird.
Heute musste P. den Kunsttest alleine schreiben lassen, was sie vor Entnervung und Enttäuschung über die schlechten Ergebnisse fast zum Heulen gebracht hätte.
Ich habe heute nämlich mit einem Fahrer der Schwestern 2 Communityschulen und das Farmcenter besucht, Interviews geführt und Bilder geschossen.
Am Spannendsten waren die Geschichten von Sr M., Leiterin von einer der Schulen.
Während dem Gang übers Schulgelände zeigte sie mir beispielsweise ein Mädchen, welches Nummer 23 in ihrer Familie ist. Der Vater hat 4 Frauen. Nebeneinander, nicht nacheinander.
Die Schwestern nehmen vorzugsweise Mädchen in der Schulgebühr freien Basicschool auf, weil diese oft nicht zur Schule geschickt werden. Wenn man es im Armenviertel schafft Kinder auf staatliche Schulen zu schicken, ist garantiert ein Junge der Glückspilz.
Ist doch klar.
Die letzte Klassenstufe ist die 8., in welcher sich nicht mehr so viele Mädels befinden wie in unteren Klassenstufen.
Viele Mädchen werden aus der Schule genommen, um früh verheiratet zu werden.
Der Brautpreis ist in den Armenvierteln und Dörfern noch eine recht gängige Sache.
In den Schulen wird den Kindern ans Herz gelegt zu den Lehrern zu kommen, sobald sie Probleme zu Hause haben. Zu Problemen gehören Misshandlungen, Vergewaltigungen, ungewollte Schwangerschaften, Kinderarbeit ect.
An den Nachmittagen werden sie in praktischen Sachen wie Nähen, Computerumgang und Tischlern trainiert, was ihnen in der Zukunft sicherlich gut helfen kann.
Am Montag haben sie einen Tag Verschnaufpause.
Den haben alle. Beerdigung einer Prominenz.
Vergangenen Samstag ist der 2. Präsident Sambias im Alter von 68 Jahren plötzlich verstorben, hatte wohl schon länger ein Herzproblem.
Der Tod hat das ganze Land geschockt, so sagt man.
Seit 1 Woche herrscht jetzt Trauerzeit und jegliche Form von Entertainment, öffentliche Versammlungen und fröhliche Musik im Radio sind untersagt.
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